Dienstag, 24. Oktober 2017

Im Glashaus von Deva Manick




Ein interessantes Fachbuch über die Probleme, die kulturelle und ethnische Inklusion von Jugendlichen in die deutsche Gesellschaft mit sich bringen.

Als mir der Autor dieses Buch anbot, ging ich davon aus, dass es sich um eine klassische Biographie handelt. Es dauerte eine Weile, bis ich merkte, dass ich es stattdessen mit einem sehr interessanten Fachbuch über interkulturelle Kommunikation und Inklusion aus der persönlichen Sicht eines Betroffenen in der Hand hielt. Da ich mich zufälligerweise beruflich mit diesem Thema, insbesondere im Zusammenhang mit Menschenrechten beschäftige, setze ich heute den professionellen Hut in meiner privaten Bloggosphäre auf.

Dieses Buch ist eine Perle für alle, die sich mit der Integration junger geflüchteter Menschen beschäftigen. Denn es gibt wenig Fachliteratur, die sich so nah am persönlichen Schicksal mit diesem Thema auseinandersetzt. Der Autor ist kein gelernter Sozialpädagoge, Psychologe oder Ethnologe (hie und da sind diese Defizite dem Buch auch anzumerken), und doch schöpft er seine Expertise aus den Erlebnissen seiner Familie, die durch den Krieg im Heimatland Sri Lanka auseinander gerissen wurde und traumatisiert in einem Gastland zusammenkam, dem es schwer fiel und bis heute immernoch schwer fällt, die Bedürfnisse und Rechte von geflüchteten Kindern und Jugendlichen in den Mittelpunkt zu stellen.

Der Autor selber war nicht direkt von Krieg, Flucht und Migration betroffen. Er ist als jüngstes Kind der Familie in Deutschland geboren und aufgewachsen und musste von Anfang an seine Identität zwischen zwei grundverschiedenen Kulturen finden. Dies war nicht ohne professioneller Hilfe möglich, weshalb er jungen kriegs- und fluchttraumatisierten Menschen anrät, sich externe professionelle Hilfe zu holen.
Ich freue mich ganz besonders, dass sich Deva auch mit Fragen zu Gender und den Konflikten zwischen den Generationen auseinandersetzt. Denn gerade in extremen Situationen treten ungerechte Machtstrukturen zwischen den Geschlechtern besonders stark zutage, insbesondere wenn Kinder, Mädchen und Jungen, im Spiel sind.

Deva schrieb dieses Buch als Ratgeber für junge Migranten in Deutschland. Ich rate Fachleuten dieses Buch zu lesen, denn sie können eine Menge lernen über die Gedanken, Gefühle und Meinungen von geflüchteten jungen Menschen mit streng patriarchalen Hintergründen. Wie auch über die Herausforderungen, denen die jungen Menschen bei der Integration in die deutsche Gesellschaft gegenüberstehen.


Eckdaten: Taschenbuch, 196 Seiten, erschienen 2012, Verlag Engelsdorfer

Besuch doch mal den Autor: Deva Manick

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