Mittwoch, 15. Februar 2017

Im Gespräch mit Autorin Angela L. Forster

Mit einem Selfie den schönen Abend mit Autorin Angela L. Forster (re) beenden.

Das Kulturcafé Komm Du in Hamburg-Harburg war der perfekte Treffpunkt für das Interview mit Krimiautorin Angela L. Forster: gemütlich, herzig und offensichtlich eines ihrer Stammlokale. Es liefen gerade die Vorbereitungen für eine Lesung im Nebenraum. Soundcheck, Musik, leises Gemurmel. Eine tolle Kulisse für mein erstes Live-Interview mit einer Autorin.
Erste Unsicherheiten verflogen schnell, als wir uns in ein interessantes Gespräch über Krimis, Mord, Todschlag und Romantik in der Lüneburger Heide vertieften - inklusive einer kurzen Zeitreise in die Südsee des 18. Jahrhunderts.




Wenn ich versuchen sollte diese Frau mit einem Wort zu beschreiben, würde ich hoffnungslos scheitern. Angela L. Forster ist quirlig, lebendig, bodenständig, nachdenklich, sensibel, zielstrebig, ausschweifend, freundlich, und noch vieles mehr. Ich habe noch nie jemanden getroffen, der so viele gegensätzliche Eigenschaften innerhalb einer Stunde auf sich vereinte. Ich war total fasziniert!
 

Ich bedanke mich sehr herzlich bei Angela für das inspirierende und offene Gespräch. Eine Liste mit weiterführenden Links findet ihr am Ende dieses Beitrags.

 

Seit wann schreibst du Krimis und welche Art von Kriminalromane sind das?

Krimis habe ich eigentlich schon immer geschrieben. Das ist einfach das Genre, das mir am meisten liegt. Ich habe angefangen mit der Veröffentlichung von Kurzgeschichten in Zeitungen und Zeitschriften. Ich bin dann dazu übergegangen Kriminalromane zu schreiben, als ich gemerkt habe, dass ich mehr Platz für meine Geschichten brauchte. Das war im Jahr 2000.

Der Auslöser für den ersten Roman war ein persönlicher Schicksalsschlag in meinem Leben. Seitdem ist das Schreiben für mich zu einer Art Ausgleich zum stressigen Arbeitstag geworden. Meine Arbeit im Jugendamt ist emotional und mental sehr anspruchsvoll. Ich werde sehr häufig mit Ungerechtigkeiten konfrontiert, die sich nicht so einfach lösen lassen. Deshalb schreibe ich gerade Krimis, weil ich nach einem harten Arbeitstag einfach mehr Gerechtigkeit brauche.

Die Art der Krimis hat sich im Laufe der Zeit verändert. Die beiden ersten Romane (Schuldlos Tot und Wer Rache Sät) gehen unter die Haut, da sie auf wahren Begebenheiten beruhen - die Informationen habe ich aus erster Hand. Deshalb wollte ich inhaltlich nicht zu sehr von der Realität abweichen. Sie haben nur ein paar fiktive Einstreuungen. Besonders hart ist, dass beide Fälle bis heute nicht aufgeklärt wurden.

Meine aktuelle Reihe um Kommissarin Brandt in der Lüneburger Heide ist im Vergleich wesentlich seichter, hat viele Landschaftsbeschreibungen und fast schon ein bisschen romantisch – bis auf die Morde natürlich.

Warum schreibst du Krimis, die in dieser Region spielen?

Meine Eltern stammen aus Bayern und ich bin in Fischbek in der nördlichen Lüneburger Heide aufgewachsen. Bei jeder Gelegenheit haben mich meine Eltern nach Bayern auf die Berge geschleppt, oder wir haben endlose Fahrradtouren durch das Alte Land und die Heide gemacht. Die Kriminalbeamtin meiner ersten Reihe, Petra Taler, stammt zum Beispiel aus München und hat es ins Alte Land verschlagen, wo ihr gleich der erste Fall vor die Füße fiel. Mit diesem Plot konnte ich die beiden Gegenden, die ich so gut aus meiner Kindheit kannte, miteinander verbinden.

Meine zweite Krimi-Reihe entstand aus einem Gespräch mit dem Verlagslektor. Ich hatte ihm meinen Gesellschaftsroman vorgelegt, den er aber ablehnte, weil er nicht in die üblichen beliebten Genres fiel. Stattdessen schlug er mir vor eine Krimireihe zu schreiben, die in der Lüneburger Heide spielt – Ich wählte als Setting das kleine Städtchen Undeloh aus, weil ich es von Ausflügen kenne und der Ort sympathisch ist.  Derzeit arbeite ich gerade am dritten Band der Reihe.

Warum ich immer eine Frau als Kommissarin wähle? Naja, sagen wir es mal so: Aus meiner Sicht hat eine Frau als Hauptfigur einfach mehr Potential und mehr Spielraum als ein Mann, dessen Rolle als Hauptkommissar oft schnell klischeehaft wird.

Weißt du warum Regionalkrimis im Moment so beliebt sind?

Da antworte ich mit einer Gegenfrage: Sind nicht alle Bücher Regionalliteratur? Genau genommen spielen alle Romane in einem bestimmten geografischen Setting, außer es wird extrem viel gereist. 

Ich habe in deiner Biographie gelesen, dass du dich mit Ahnenforschung beschäftigt hast 

und dabei über deinen Namensvetter Georg Forster gestolpert bist. Er ist im 18.  Jahrhundert als Jugendlicher mit dem berühmten Entdecker James Cook um die Welt gesegelt und gehörte später zum Kern der Mainzer Republik. 
 Ja, ich finde das sehr spannend und versuche mehr über ihn herauszubekommen. Mein Vater hat sehr wenig über die Familiengeschichte erzählt, was ich sehr schade finde. Ich fühle mich dem Georg Forster sehr verbunden, da es viele Parallelen in unserem Leben gibt. Er war Revolutionär - ich bin oft sehr rebellisch; er war auch ein Schriftsteller, wie ich und ich werde niemals seekrank. Vielleicht ist das Piraten-Gen in meiner Familie sehr stark ausgeprägt, wer weiß!

Georg Forster war in seinen Aktivitäten sehr global, auch als Revolutionär, während du auf lokaler Ebene wirkst.

Da sprichst du was an! Es ist mein großer Traum, zusammen mit meinem Mann mit dem Wohnmobil durch die Welt zu fahren. Wir waren auch schon kurz davor. Leider kam etwas dazwischen, aber die Idee ist geblieben. Wer weiß, vielleicht klappt es irgendwann in der Zukunft. Ich habe auch einen Gesellschaftsroman geschrieben, bei dem es um eine Reise von Fischbek in der Nordheide nach Cartagena in Spanien geht. Der Roman ist noch nicht veröffentlicht worden. Aber ja, den Drang zu Reisen und Abenteuer zu erleben habe ich sehr stark.

Bevor ich meine letzten Fragen stelle: Hast du denn eine Frage an mich?

Ich habe tatsächlich eine Frage: Ich habe sehr selten eine Verbindung zu Bloggern und ich frage mich, warum ihr das macht? Warum verbringt ihr so viel Freizeit mit dem Blog?

Da kann ich nur für mich selbst sprechen: Ich tue es, weil es mir großen Spaß macht über Bücher zu schreiben und mich mit anderen über Bücher auszutauschen. Wenn ich eine Rezension schreibe, beschäftige ich mich nochmal intensiver mit dem Roman und mir fallen im Nachhinein noch interessante Aspekte an dem Buch auf, die mir beim reinen Lesen nicht aufgefallen wären.

Kannst du mir verraten, warum du schreibst, was treibt dich an?

Ich muss einfach schreiben. Wenn ich zwei, drei Tage nicht schreiben kann, habe ich das Gefühl mein Kopf platzt gleich.  Dann werde ich auch ganz knatschig.  Schon als Kind habe ich viele Geschichten geschrieben. Meine Lehrerin beschwerte sich immer darüber bei meiner Mutter. Ich kann einfach nicht aufhören zu schreiben, ich bin zum Platzen voller Ideen. In meiner Schublade liegen schon mehrere Entwürfe, auch für Kinderbücher, und mein Schreibtisch ist immer voll mit Zetteln.

Zum Schluss noch eine Frage aus meinem Standardinterview: Wenn du etwas mit deinen Büchern bewirken könntest, was wäre das? 

Ich versuche tatsächlich in meinen Romanen immer wieder ein großes Thema unterzubringen, das mir sehr am Herzen liegt. Das ist die Ungerechtigkeit gegenüber allen schwächeren Lebewesen, ob Kinder, Tiere, Kranke, alte Menschen oder eingeschränkte Menschen, die in eine Lage gezwängt werden aus der sie sich nicht alleine befreien können. Und wo Mitmenschen einfach drüber hinwegsehen und sie am Straßenrand liegen lassen würden (sinnbildlich oder auch nicht sinnbildlich, denn leider geschieht das ja viel zu oft). In meinen Geschichten Schuldlos tot und Wer Rache sät, wird das sehr deutlich. 

Meine anderen Geschichten sind rein fiktiv. Als erstes sollen sie unterhalten und wenn dann ab und zu ein solches Thema auftaucht, natürlich auch darüber informieren. Das wollen wir ja alle. Es ist doch immer schön (finde ich), wenn man auch von einem Unterhaltungsbuch noch etwas lernen kann und sich sagt: "Oh, das habe ich noch gar nicht gewusst."


Weiterführende Links:

Angela L. Forster
bei Acabus



SHARE:

Keine Kommentare

Kommentar veröffentlichen

Ich freue mich sehr über Kommentare von euch!

© Lora liest. All rights reserved.
Blogger Designs by pipdig