Sonntag, 18. Dezember 2016

Ascheland von Oliver Kyr

Oliver Kyr: Ascheland
Diese Dystopie bietet nicht nur spannende Unterhaltung. Ascheland geht in die Tiefe und hinterfragt die Existenzberechtigung der Menschheit, nachdem sie sich selbst und ihren Lebensraum komplett zerstört hat. Ganz real, knallhart und fast anklagend. Denn was würde eigentlich in uns geschehen, wenn wir realisieren, dass wir die Zukunft unserer Kinder zugrunde gerichtet haben?

Kurze Episoden, lose aneinandergereiht, wie Perlen auf einer Schnur, tragen die Handlung. Manche sind traurig, manche tragisch, die wenigsten hoffnungsvoll, aber jede einzelne steht für sich allein. Die einzige Verbindung ist die unendliche Einsamkeit, mit der die Figuren zurechtkommen müssen. Jeder Mensch hat seine eigene individuelle Überlebensstrategie, an die er andere nicht teilhaben lassen will oder kann. Die Figuren mögen verrückt geworden sein, bleiben bei näherem Hinsehen aber liebenswert menschlich.

Zacharias Brandt wandert mit seiner dreibeinigen Hyäne Else durch diese Episoden. Er ist auf der Suche und gleichzeitig auf der Flucht. Er ist Hoffnungsträger für andere, aber will es gar nicht sein. Er ist bekannt als der Kindermacher, der einzige zeugungsfähige Mann in der Region und er geht immer wieder gegen seine Überzeugung mit dieser Eigenschaft Tauschgeschäfte ein: Samen gegen Überlebenspaket. Zack, ganz einfach. Aber so einfach nun auch wieder nicht, denn auf seinen einsamen Wanderungen hält er Gericht über sich und seine Taten und landet immer wieder bei derselben Frage, auf die er keine Antwort weiß und die ihn bei Tag und Nacht fast in den Wahnsinn treibt: Hat er das Recht, den Menschen Hoffnung auf eine Zukunft zu geben?

Der Schreibstil von Oliver Kyr unterstreicht die dunkle Stimmung des Buches mit kurzen, knappen stakkatoartigen Sätzen und Kapiteln. Rückblenden in die Jahre rund um die alles vernichtende Katastrophe lassen den Leser die Geschehnisse schemenhaft nachvollziehen. Da war Zacharias Zoowärter, das hatte damals noch eine Bedeutung. Die Klarheit liegt eindeutig im Jahr 2023, fünf Jahre nach dem „Untergang“. Alles ist zerstört, hört auf zu existieren oder verliert seine Relevanz. Hier nimmt der Autor kein Blatt vor den Mund und beschreibt die Realität in deutlichen und teilweise harschen aber auch sehr bildhaften Worten. Denn es gibt kein Vertun, die Menschheit ist am Ende.

Dieses Buch hat mich nachhaltig beeindruckt. Das liegt zum einen an der Nähe zu unserer heutigen Realität. Die Welt, die Oliver Kyr beschreibt ist erschreckend denkbar. Zum anderen beeindruckt mich die Vielschichtigkeit der Geschichte. Action, Philosophie, Aberglaube, Hoffnung: alles drin. In kurzen, knappen Worten schafft es der Autor eine klamme Endzeitstimmung heraufzubeschwören. Am Ende bleibt doch noch ein kleiner Funken Hoffnung. Ein empfehlenswertes Buch.

Danke lieber Acabus Verlag, für das Lese-Exemplar.

Eckdaten: Gebunden, EBook, 220 Seiten, Acabus Verlag
Besuch doch mal den Autor: Oliver Kyr

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