Samstag, 3. Dezember 2016

Dit un Dat: Profi oder nicht Profi

Heute wärme ich ein Thema auf, das nach der diesjährigen Leipziger Buchmesse für Aufruhr in der Buchblogger - Szene sorgte: In ihrer Keynote zu einer Veranstaltung für Blogger auf  der LBM, forderte Karla Paul die Blogger*innen sehr eindringlich dazu auf, endlich ihre Flauschzone zu verlassen, sich den Verlagen gegenüber nicht unter Wert zu verkaufen und professioneller zu werden.

Die Reaktionen in der Szene reichten von "ja, genau!" bis zu "wir wollen unabhängig bleiben". Ich unterstütze die Argumentation von Karla Paul: Buchblogger haben es verdient, für die Arbeit, die sie in ihren Blog und alle Themen rund um die Literatur stecken, honoriert zu werden. Denn, seien wir mal ehrlich, wir sind inzwischen zu einem nicht wegzudenkenden, sehr wichtigen und kostengünstigen Partner für Verlage, Autoren und PR-Agenturen geworden. Um den Schritt zum Profi zu machen, muss sich die Professionalität auch logischerweise im Blog niederschlagen. Ich würde aber dem Aufruf von Karla gerne etwas hinzufügen: Die Blogger*innen, die Lust, Zeit und das Potential dazu haben, professioneller zu werden, sind aufgefordert, dieses auch zu tun. Aber diejenigen, die keine Lust haben, sich mit SEO, Mediadaten und Redaktionsplänen auseinanderzusetzen, sondern einfach entspannt ihrem Hobby nachgehen wollen, sollen dies auch tun dürfen, ohne vom Gegenüber von oben herab behandelt zu werden.

Es gibt aber auch die Rückseite dieser Medaillie, die nicht zu unterschätzen ist. Was ist eigentlich mit den Verlagen und Dienstleistern der Buchbranche? Es gibt einige, die immer noch sehr unprofessionell mit Blogger*innen umgehen. Die Arbeit, die wir in unserer Freizeit in unser Hobby stecken, wird nicht wertgeschätzt. Zumindest das sollte man von jemandem erwarten, der sich mit einem Kooperationsangebot an uns wendet, aber mit dem lapidaren Argument abspeist, es solle die Unabhängigkeit der Rezension nicht gefährdet werden, das Leseexemplar muss reichen. Die Verlage profitieren eindeutig von uns, wir aber nicht ausreichend von ihnen.

P.S.  Es wäre interessant zu erfahren, wieviel Marketingkosten in absoluten Zahlen die Verlage durch uns einsparen.
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Kommentare

  1. Zitat: " Aber diejenigen, die keine Lust haben, sich mit SEO, Mediadaten und Redaktionsplänen auseinanderzusetzen, sondern einfach entspannt ihrem Hobby nachgehen wollen, sollen dies auch tun dürfen, ohne vom Gegenüber von oben herab behandelt zu werden."

    Genau das. Das ist genau das, was mich an den "Ihr müsst euch professionalisieren!"-Aufrufen stört. Das "muss". Ich möchte beispielsweise nicht. Mein Buchblog ist derjenige meiner Blogs, den ich aus Spaß an der Freude (und weil ich auch als Nichtbloggerin regelmäßig RZ-Exemplare erhalten habe und dann dachte "Es ist unfair, alle anderen Bloggerinnen und Blogger bieten dem Autor dafür Rezensionen auf Amazon, Lovelybooks UND auf liebevoll gestalteten Blogs und ich? Ich will auch einen liebevollen Blog. Damit ich den Autoren besser zurückgeben kann, was sie mir mit ihren Büchern schenken <3) führe.
    Einfach nur, um durch meine Rezensionen etwas zurückzugeben. Da ich inzwischen ein sehr gutes Händchen habe, gibt es fast keine Verrisse, weil ich Bücher, die mir nicht gefallen würden, gar nicht erst als Gratisbuch annehme. Und auf 100 tolle Bücher vielleicht mal ein Fehlkauf kommt. Der Blog ist also zu 95% ein Onlineschaufenster für Bücher, die ich gemocht habe :D.
    Und das soll so bleiben und damit bewusst sehr unprofessionell sein. Ich rezensiere fast nur Indiebücher und Bücher aus Kleinverlagen (bis auf die paar Randomhouse-Titel aus Leserunden oder gebraucht gekaufte, uralte Schinken :D). Sachen, die außer mir oft nur eine Handvoll Leute gelesen haben (und freue mich wie eine Schneekönigin, wenn jemand wegen meiner Blogposts eines dieser Schätzchen kauft).
    Das gibt weniger Klicks, als noch mal das zu rezensieren, was gerade alle rezensieren und mit einer riesigen, profimäßigen Marketingmachinerie bewerben. Aber dafür mache ich das nicht.

    Trotzdem möchte ich wertgeschätzt werden. Ich lösche unpersönliche Anfragen á la "liebe/r Blogger/in" (wer lesen kann, der merkt, dass wir zwei Leute auf dem Blog sind, auch wenn fast alle Rezis von mir sind - es ist nur höflich, uns BEIDE zu adressieren) ungelesen. Ich ignoriere ungefragt zugesendete eBooks. Und wenn mir Bastei Lübbe ein paar Werbeflyer für Bücher zusendet, die mich vom Genre her nicht interessieren, schwanke ich zwischen "freuen, weil Bastei meinen Mikroblog entdeckt hat" und mich fragen, wie zum Geier die auf die Idee kommen, dass ein paar Werbeflyer aus einem Genre das mich nicht interessiert, ohne irgendein Begleitschreiben, mich in irgendeiner Weise zu irgendwas verleiten sollen ^^.
    Auch als Amateurin habe ich mit meinen Rezensionen ein paar Stunden Arbeit. Neben Schreib- vor allem Denkbarbeit und viel Grübelei, ob ich nix Relevantes vergessen habe :D

    Also: Auch Amateure wollen Respekt :D.
    Und jetzt habe ich viel getippt, dabei ist die Kernaussage einfach nur "Du hast Recht" ^^

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    1. Wow, was für ein ausführliches Plädoyer!! :-) Ganz lieben Dank für die Bestätigung. Ich finde die Buchbloggerszene gerade wegen ihrer Vielfalt sehr spannend. Es wäre schade, wenn das verloren geht.
      LG loralee

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    2. Sehr ausführlicher Kommentar :) Und ich stimme euch beiden zu!

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  2. Sehr schön geschrieben, und ich finde du hast recht!
    Wer den Blog profesionell betreiben will soll das tun. Ich mag das nicht, allein bei dem Gedanken an die Steuererklärung die dann auf mich zukommen könnte hab ich schon keine Lust mehr mehr aus dem Bloggen zu machen als "nur" ein Hobby!

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