Mittwoch, 28. Dezember 2016

[Blick über den Tellerrand] mit Autor Oliver Kyr


Nach langer Zeit habe ich wieder ein Interview für euch!
Es kommt nicht sehr oft vor, dass ich beim Lesen unbedingt erfahren möchte, was für ein Mensch hinter der Geschichte steht. Bei dem Roman Ascheland von Oliver Kyr ging es mir so. Und es gibt tatsächlich eine ganze Menge Interessantes über diesen Autor zu entdecken.


Oliver Kyr hat vor ein paar Jahren sein Leben komplett umgekrempelt. Er löste sich von den gesellschaftlichen Erwartungen, kündigte seinen Job, packte seine sieben Sachen in ein Wohnmobil und reiste mit Frau und Tochter quer durch Europa. Ganz ohne Plan, einfach drauf los. In diesem knappen Jahr entwickelte er seine ganz eigene Lebensphilosophie, führte einen Reise-Vlog und schrieb den Roman Ascheland. 



Oliver, ich freue mich riesig, dass du dich dazu bereit erklärt hast, diese Fragen zu beantworten.
 *Weiterführende Linksfindet ihr am Ende des Beitrags. 

Was war dein Berufswunsch mit 8, 14 und 18 Jahren und warum?
Ich wollte mit 8 unbedingt Science Fiction-Autor werden. Ich hatte meinen Eltern und Großeltern die Ohren schon blutig erzählt mit Lasern, Robotern und Raumschiffen, und das wollte ich später in gedruckte Bücher umsetzen.

Meine Oma hatte mir zum Geburtstag eine Stunde ihrer Zeit geschenkt. Sie konnte zehn-Finger-System und hat eine meiner Geschichten live in die Schreibmaschine „gezimmert“. Dann gab sie mir die Seiten, und ich hatte mein allererstes eigenes Buch in der Hand. Mann, war ich stolz!!

Mit 14 hatte ich überhaupt keinen Plan, was ich mal machen sollte. Mein Vater war Kieferorthopäde und es bot sich an, einmal seine Praxis zu übernehmen. Nach einem zweiwöchigen Praktikum war aber klar, dass das nicht mein Weg sein würde. Da waren wir uns übrigens beide einig.

Mit 18 wollte ich Wirtschaftswissenschafen studieren. Was anderes fiel mir nicht ein, und Priorität war „viel Geld verdienen“. Darauf kommt’s doch an im Leben, dachte ich. Ein Berufsberater, dem ich noch heute dankbar bin, brachte mich darauf, meiner zweiten Leidenschaft zu folgen: Filme machen. Und also wurde ich Werbefilmregisseur.

Gibt es etwas, woran du als Jugendlicher geglaubt hast, aber jetzt nicht mehr? 
Ich glaubte lange daran, alles „richtig machen zu müssen“. Was bedeutete: so wie alle anderen. Nicht aus der Norm oder aus der Rolle fallen. Straight in die Vita und auf die Karriereleiter. Aber wenn du ganz oben auf der Leiter stehst, stellst du oft fest, dass du sie an die falsche Hauswand gelehnt hast. Und dann muss man wieder runter und von vorne anfangen. An einer anderen Hauswand, die dann eben die „richtige“ ist. Und viele Jahre später kommt vielleicht die nächste Wand, sprich: Herausforderung...
Seit Jahren schieße ich quer und folge meiner Intuition, und das macht mich glücklich.

Was denkt dein Hauptprotagonist bzw. der Übeltäter aus deinem aktuellsten Buch über dich (zB würde er/sie mit dir einen Kneipenbummel machen)?
Zacharias Brandt würde mich belächeln, weil ich daran glaube, Kinder in diese Welt zu bringen. In der Kneipe würden meine hoffnungsvollen Gedanken viel Zynismus in ihm herauf beschwören. Aber nach dem dritten Korn oder so würde er fragen, ob wir uns nicht regelmäßig treffen könnten. Mit seiner dreibeinigen Hyäne und meinen beiden Chihuahuas spazieren gehen. Und vielleicht mit meiner dreijährigen Tochter philosophieren...

Warum schreibst du eigentlich Bücher, wenn du anderswo, zum Beispiel in der digitalen Welt, viel mehr erreichen könntest? 
Wenn ich schreibe, bin ich glücklich auf einer Art und Weise, die ich sonst nirgends finde. Ich liebe diesen Zustand (den einige „Flow“ nennen) und vermisse ihn, wenn er nicht um mich ist.

Mein erstes Buch, „Audrey und der Tod“, habe ich im „Flow“ in zwei Nächten geschrieben. An den Schreibprozess kann ich mich nicht erinnern. Auch wenn ich die geschichte hin und wieder vorlese, scheint es mir, als ob „jemand anders“ sie zu Papier gebracht hätte.

Darüber hinaus bekomme ich hin und wieder Feedback von Lesern, die mir schreiben, eines meiner Bücher hätte ihr Leben zum Positiven verändert. Wenn ich das kann, oder vielmehr: wenn mir dieses Talent gegeben ist, dann muss ich es nutzen. Es ist meine Aufgabe, und dieser nachzukommen, bedeutet für mich Glück.

Wenn du mit deinen Büchern etwas Großartiges in der Welt bewirken könntest, was wäre das? 
Die Einsicht, dass Krieg immer die falsche Lösung ist. Und das Bewusstsein, dass wahre Veränderung bei einem selbst anfängt.

Wo siehst du dich und das gedruckte Buch in 10 Jahren? 
Ich plane nicht mehr und verfolge keine geraden Wege. Insofern habe ich keine Vision oder Ahnung von mir in 10 Jahren.

Das gedruckte Buch? Ich fürchte, es wird ganz langsam in eine „Liebhaberecke“ gedrängt werden. Noch ist der Anteil der eBooks klein, aber das liegt m.E. an den Lesegeräten, die noch nicht wirklich im „Lifestyle“-Segment angekommen sind. Sobald man Bücher problemlos auf dem Handy lesen kann und sobald die Nischen-Gattungen den Mainstream überholen, wird - denke ich - die elektronische Plattform aufgrund ihres geringen Publishing-Risikos das gedruckte Buch endgültig ablösen.

Ob das schlimm ist? Für mich als Buchliebhaber natürlich schon. Für künftige Generationen? Ich glaube nicht.

Links: 
Oliver Kyr, Autorenwebseite

Oliver Kyr erklärt seine Lebensphilosophie (Youtube)
Pegasus Family

Rezensionen:
Buchzeiten
Loraliest

SHARE:

Kommentare

  1. Hey,
    Ich habe gerade deinen Blog entdeckt und er gefällt mir richtig gut. Ich habe deinen Blog auch gleich mal abonniert. :D Vielleicht hast du ja Lust auch bei mir mal vorbeizuschauen. Darüber würde ich mich sehr freuen. :)
    LG Benedikt von
    http://beneaboutbooks.blogspot.de/

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hi Benedikt,
      freut mich sehr, dass es dir hier gefällt. Ich schau direkt mal bei dir vorbei.
      LG, loralee

      Löschen

Ich freue mich sehr über Kommentare von euch!

© Lora liest. All rights reserved.
Blogger Designs by pipdig