Freitag, 19. August 2016

[Blick über den Tellerrand] mit Autorin Kenechi Udogu

Heute stelle ich euch Kenechi Udogu vor. Die britische Autorin schreibt für ihr Leben gern Fantasy Romane und Kurzgeschichten. Hier erfahrt ihr, warum sie nie auf das Schreiben verzichten könnte und wie es ganz unerwartet dazu kam, dass ihre Bücher in anderen Sprachen gelesen werden können.


 
Ich liebe das britische Understatement und Kenechi Udogu kann es bis zur Perfektion. Die junge Londonerin gibt sich sehr bescheiden, aber mal ehrlich: Es gibt nur sehr wenige Selfpublisher, die es schaffen, in Eigenregie und innerhalb nur eines Jahres ihre Bücher in drei Sprachen zu übersetzen und zu vermarkten. Nebenberuflich, versteht sich. In ihrer YA Reihe Die Mentalisten geht es um die Fähigkeit Gedanken zu manipulieren. Und um die Liebe natürlich auch. 




Ich freue mich riesig, dass Kenechi sich für ein Interview bereit erklärt hat und ihre Gedanken mit uns teilt. Das Interview gibt es auch auf Englisch. (Weiterführende Links findet ihr am Ende des Beitrags.)

Was war dein Berufswunsch mit 8, 14 und 18 Jahren und warum?

Mit 8 Jahren war ich mir sicher, dass ich Englischlehrerin werde. Es war der perfekte Beruf für mich, weil ich es liebte zu lesen, zu schreiben und mir Geschichten auszudenken. Ich konnte mir gar nicht vorstellen etwas anderes zu tun. Als ich auf die 14 zuging, wurde mir klar, dass ich nicht unbedingt die allergeduldigste Person bin. Als Lehrerin braucht man aber tonnenweise Geduld. Dann merkte ich, dass meine Zeichenkünste gar nicht so übel waren, also konnte ich mir vorstellen, dass ich etwas in Richtung Kunst machen werde. Deshalb studierte ich mit 18 Architektur – aber mit dem Schreiben habe ich nie aufgehört. Mein Vater findet immer noch Kurzgeschichten in allen möglichen Ecken unseres Hauses versteckt, die ich als Teenager in den 90ern geschrieben habe. Seitdem hat sich nicht viel geändert. Tagsüber bin ich eine qualifizierte Architektin und nachts schreibe ich Romane (oder wann immer ich die Zeit finde, die vielen Gedanken aufzuschreiben, die mir durch den Kopf schwirren).

 

Wen bewunderst du am meisten und warum?

Ich werde nicht eine einzelne Person herausgreifen. Die Leute, die ich am meisten bewundere sind diejenigen, die Visionen haben, und sie so lange verfolgen, bis sie ihr Ziel erreicht haben.  Die Grenze zwischen Sturheit und Entschlossenheit ist sehr dünn, aber ich liebe es über Leute zu lesen, die trotz aller Widrigkeiten etwas Großartiges erreicht haben. Das gibt mir das Vertrauen, dass ich eines Tages die Ziele erreichen kann, an denen ich schon sehr lange festhalte. 

 

Was denkt dein Hauptprotagonist aus deinem aktuellsten Buch über dich?

Mit all den Komplikationen in ihrem Leben, würde Gemma höchstwahrscheinlich gar keine Zeit für mich haben. Sie ist (verständlicherweise) ein bisschen zurückhaltend und ich müsste mich ganz schön anstrengen, um sie dazu zu bringen, sich mein Geschnatter anzuhören. Aber ich glaube, wenn sie es tut, kämen wir gut miteinander klar. Allerdings würden wir uns um Russ streiten, weil er total mein Typ ist. In meiner Vorstellung sieht er so ähnlich aus wie Ian Somerhalder – wer wollte das nicht? Und wenn es soweit käme, würde Gemma wahrscheinlich gewinnen, weil sie einfach genial ist. 

 

Was ist das für ein Gefühl, zu wissen, dass deine Bücher in ganz Europa gelesen werden?

Es ist beängstigend und aufregend zugleich. Meiner Meinung nach sollte Kunst nicht auf eine Sprache oder ein Medium limitiert sein, weil wir dann Gefahr laufen, eine ganze Menge Leute auszugrenzen. Ich bin überwältigt von den positiven Bewertungen, die meine Arbeit bisher bekommen hat und ich hoffe, dass ich weiterhin meine Geschichten in so vielen verschiedenen Sprachen wie möglich teilen kann. 

 

Wie haben die Übersetzungen deiner Bücher funktioniert?

Die Gedankenwenderin war die erste Übersetzung meiner Arbeit. Wie es dazu kam, macht mich sehr verlegen. Eine deutsche Leserin, die von der englischen Version der Geschichte begeistert war, bot mir an, sie zu übersetzen. Es war ihre erste große Romanübersetzung, also gingen wir beide mit dem Projekt ein Wagnis ein. Aber ich bin froh darüber, denn es ist uns gelungen, in der Zeit in der wir uns fragten, was um alles in der Welt wir da veranstalteten, eine enge Bindung aufbauen konnten. Seitdem sind meine Bücher ins Deutsche, Portugiesische und Spanische übersetzt worden mit der Hilfe eines Übersetzerprotals, das Babelcube heißt. Es ist ganz schön harte Arbeit, einen Übersetzer zu finden, dessen Stil mit meinem zusammenpasst. Ich hatte bis jetzt Glück und durfte mit unglaublich engagierten und geduldigen Menschen zusammenarbeiten.

 

Warum schreibst du Bücher (dumme Frage)?

Weil die Stimmen in meinem Kopf es mir sagen… haha! Nein, jetzt aber ernsthaft. Ich weiß nicht was ich machen würde, wenn man mir sagte, ich könne meine Geschichten nicht mehr mit der Welt teilen. Ich schreibe wegen meiner stark ausgeprägten Fantasie und weil ich das verrückte Verlangen danach habe, die Kreationen aus meinen Kopf mit jedem zu teilen, der sie hören möchte. Schon als ich klein war, habe ich mir die Gute Nacht Fantasy Geschichten für meine Geschwister ausgedacht. Ich habe immer noch viele Freunde aus der Schulzeit, die sich an die Geschichten erinnern können, die ich ihnen vor langer Zeit erzählt habe. Wahrscheinlich war es hilfreich, dass meine Mutter viel Folklore an mich und meine Geschwister weitergegeben hat. Oft sang sie auch Teile davon und zementierte damit unsere Erinnerungen auf ewig.

 

Wenn du mit deinen Büchern etwas Großartiges in der Welt bewirken könntest, was wäre das?

Schwierige Frage. Wie ich vorhin schon sagte, schreibe ich, weil ich gar nicht wüsste, wie ich ohne klarkäme. Also hatte ich auch nie Ambitionen damit die Welt zu verändern. Aber wenn ich die Wahl hätte, würde ich damit gerne eine Art Fluchtpunkt vor der harschen Realität bieten. Ich fände es toll, wenn meine Leser sich in den Visionen verlieren, die ich erzeuge und in ihren Erinnerungen zu ihnen zurückkehren und sich Zuspruch holen können, lange nachdem sie die letzte Seite ausgelesen haben. 

 

Wo siehst du das gedruckte Buch in 10 Jahren?

Ich liebe es, auf meinem Kindle und iPad zu lesen, aber ich halte immer noch gerne ab und zu Papier in den Händen, insbesondere im Bett. Die Technologie entwickelt sich irre schnell, ich kann gar nicht sagen, wie der Lesetrend in den nächsten paar Jahren aussieht. Aber ich habe das Gefühl, dass das gedruckte Format immer noch Bedeutung haben wird. Wir müssen uns daran erinnern, dass es viele Länder gibt, wo e-Technologie noch keinen Vorrang hat.

Links
Kenechi Udogu auf...
Twitter: @kenechiudogu
Facebook: Facebook profile
Blog: http://caeblogs.wordpress.com/

Rezensionen: 
Die Gedankenwenderin bei...
Mira's Bücherwelt
Anne's Bücherwelt
Lora liest

SHARE:

Keine Kommentare

Kommentar veröffentlichen

Ich freue mich sehr über Kommentare von euch!

© Lora liest. All rights reserved.
Blogger Designs by pipdig