Freitag, 15. April 2016

Rezension: Obsidian (engl.) von Jennifer L. Armentrout

Taschenbuch, eBook
400 Seiten
Verlag Entangled Teen

Band 1 der Lux-Reihe

Besuch doch mal die Autorin:
Jennifer L. Armentrout








Der Hype um die Lux-Reihe ist noch gar nicht lange her. Das schöne Cover der deutschen Ausgabe fiel in jedem Buchgeschäft sofort ins Auge. Ich hatte es oft in der Hand, und habe es doch wieder zurückgelegt. Jetzt, wo sich die allgemeine Begeisterung gelegt hat, wage ich einen entspannten Blick in das englische Original.

Ich war, ehrlich gesagt, enttäuscht von dem Auftakt der Reihe, denn es stellte sich schnell heraus, dass es sich um einen klassischen Young Adult Fantasy Roman handelte, der dem typischen Erfolgsschema F folgte. Der Plot ist den anderen Verkaufsschlagern aus diesem Genre viel zu nah: Teenager-Mädchen muss mit alleinerziehendem Elternteil aus dem coolen Wohnort in die langweilige Provinz umziehen. Sie trifft dort auf Menschen, die sich seltsam verhalten. Der gutaussehende Nachbarjunge reizt sie. Das Mädchen findet heraus, dass er Vampir / Gestaltwandler / Alien ist (bitte zutreffendes unterstreichen).

OK, darauf kann man sich vielleicht einstellen. Was mich aber an der Geschichte gehörig störte war, dass sich die Protagonisten kein bisschen weiterentwickeln. Die Autorin bedient sich mit vollen Händen und völlig unkritisch der gängigen Rollenklischees und setzt diese erzählerisch auch noch in den Mittelpunkt der Geschichte. Dabei hätte die Handlung doch viel mehr Spannung gehabt, wenn sie andere Thematiken näher beleuchtet hätte, die die Geschichte durchaus anbot. Interkulturalität, Generationenkonflikt, Stadt-Land-Problematik, you name it! Ich musste stattdessen Seite für Seite lesen, wie die Heldin den Wahnsinnskörper des Helden anhimmelt und nicht in der Lage ist, Stärke zu zeigen und eigenständig Entscheidungen zu treffen, und sich auch sonst kaum von der Stelle bewegt. Das ist ein bisschen dünn für rd. 400 Seiten.

Die Geschichte folgt im Prinzip einem Ken und Barbie Bild: Waschbrettbauch, muskulöse Brust, strahlend grüne Augen, geschwungene Wimpern. Der Junge aller Mädchenträume. Es wird der Leserin bei der detaillierten Beschreibung des Helden kein Raum für Fantasie gelassen, sondern ihr ein Ideal aufgedrängt, das in der Realität kaum zu finden ist. Ok, der Junge ist tatsächlich nicht von dieser Welt, aber wie sieht er denn von Innen aus? Was denkt und fühlt er? Was treibt ihn an? Bei dem Mädchen dagegen, überwiegt die emotionale Beschreibung. Sie ist voller Selbstzweifel, verunsichert und oft nicht in der Lage, sich durchzusetzen. Sie verkörpert wortwörtlich das „schwache Geschlecht“ und entwickelt sich kein Stück im Verlauf der gesamten Geschichte. Physische Macht steht emotionaler Unsicherheit gegenüber. Wenn das kein stereotypisches Denken ist!

OK, ich gehöre vielleicht nicht zur Hauptzielgruppe des Romans und setze vielleicht zu hohe Maßstäbe an. Dennoch muss ich erwähnen, dass ich bereits Bücher aus diesem Genre gelesen habe, die deutlich mehr Niveau an den Tag legen und die Protagonisten differenzierter darstellen. Es hat mir Spaß gemacht sie zu lesen und mich treiben zu lassen.

Obsidian dagegen vermittelt ein Rollenverständnis, das ich nicht tolerieren kann und das  mich wahnsinnig aufregt. Es drängt sich mir der Eindruck auf, dass der Verlag und die Autorin nur darauf aus sind, einen Verkaufsschlager auf den Markt zu werfen und die Leserinnen für dumm zu verkaufen.

Wenn deine Ansprüche an das Buch nicht zu hoch sind und du nach einer Geschichte suchst, die nicht mehr als Entertainment und etwas Nervenkitzel bietet, könnte es für dich unterhaltsam sein. Ich für meinen Teil, habe mich zu sehr über die Barby und Ken-Klischees aufgeregt.
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Kommentare

  1. Ganz ehrlich? Ich fand den ersten Teil auch nicht wirklich so prickelnd ... Die Reihe wird aber besser, Gott sei Dank, weil die Rahmenhandlung später mehr Raum bekommt :).

    Liebe Grüße
    Ascari

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    1. Moin Ascari,
      das ist ja interessant. Vielleicht gebe ich der Reihe doch noch eine Chance.

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  2. Hallöchen =)

    ich habe den Auftakt damals auf Deutsch gelesen und ich muss sagen, dass mich die Autorin komplett gekriegt hat. Ich mag das Buch noch heute und bin ein riesiger Daemon Black Fan.
    Trotzdem kann ich deine Kritikpunkte nachvollziehen, auch wenn ich finde, dass du ein bisschen hart mit der Autorin und den Protagonisten ins Gericht gehst =), aber das ist nur meine Meinung. Es liegt halt wirklich oft an den Erwartungen. Ich habe vergleichbare Bücher dieses Genres selten als sehr anspruchsvoll empfunden.

    Ascari hat übrigens recht. Die Reihe wird zwar aus meiner Sicht nicht besser (fand ja den Auftakt schon gut), aber es entwickelt sich in eine Richtung, die man vorher nicht erahnen kann. Die Rahmenhandlung bekommt mehr Raum und ich versrpreche die Charaktere entwickeln sich durchaus weiter.

    Ob ich dir guten Gewissens empfehlen kann weiter zu lesen, da bin ich mir trotzdem nicht sicher ^^.

    LG und hab einen schönen Tag!
    Anja

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    1. Hallo Anja,
      ich würde sogar sagen, dass das gesamte Genre nicht besonders anspruchsvoll ist. Aber das ist völlig in Ordnung. Ich lese gerne YA, wenn ich mein Gehirn entspannen möchte. Ich finde es nur schade, dass sich bei Obsidian der alten Geschlechter-Stereotypen bedient wurde.

      Ich glaube nicht, dass ich in nächster Zeit die Reihe weiterlesen werde. Ich finde es aber interessant, dass du es ähnlich siehst wie Ascari. :-)

      Liebe Grüße
      Loralee

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  3. Ach wie schade! Ich liebe die Reihe. Aber ich glaube, das Buch wird zu sehr gehyped. Vielleicht hast du deshalb die Messlatte ein bisschen zu hoch angesetzt, also im Unterbewusstsein?

    Ich freue mich jedenfalls riesig auf den Abschlussband. Die Serie wird übrigens noch richtig heftig und brutal, hätte ich nicht gedacht ...

    LG
    Sonja

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    1. Das stimmt! Da ich den Abschlussband ja schon auf Englisch gelesen habe, kann ich das bestätigen ;).

      Liebe Grüße
      Ascari

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    2. Guten Morgen Sonja,
      das mag gut sein, dass meine Erwartungen an das Buch zu hoch waren. Aber ich bleibe bei diesem Urteil.
      Die Reihe wird brutal? Das kann ich mir gar nicht vorstellen. Aber wenn ihr beide das sagt? Jetzt bin ich aber doch neugierig geworden.
      LG, loralee

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  4. Huhu Loralee,

    wie schade, dass dir der Reihenauftakt so gar nicht gefallen hat. Trotzdem finde ich deine Rezension als Reflektion auf die positiven Meinungen sehr interessant. Du hast sehr schlüssig dargelegt, was dir nicht gefällt.
    Das englische Cover gefällt mir irgendwie noch ein wenig besser, obwohl ich es eigentlich nicht so gerne mag, wenn ich schon ein Bild von dem Charakter bekomme. Es brennt sich bei mir dann ein wenig fest und meine Fantasie bekommt nicht die Möglichkeit sich ein eigenes Bild zu schaffen :o)

    Ganz liebe Grüße Tanja :o)

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    1. Hallo Tanja,
      ganz lieben Dank. :-)
      Ist ja witzig, dass dir das englische Cover unter den Umständen, die du nennst, besser gefällt. Mir geht es genauso wie dir. Ich finde es nicht so schön, wenn die Charaktere auf dem Cover sind und sich überhaupt nicht mit meinem Bild von ihnen decken. Deshalb finde ich gerade das deutsche Cover so schön. Die Figuren sind nur schemenhaft zu erkennen.
      Grüßis, loralee

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    2. Huhu Loralee,
      da hast du vollkommen Recht. Ich glaube es liegt daran, dass mir der Damon auf der Abbildung gefällt. Das kann aber sehr gut nach hinten losgehen ;o)
      Liebe Grüße Tanja

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Ich freue mich sehr über Kommentare von euch!

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