Donnerstag, 5. November 2015

Rezension: Zechengeister von Romy Wolf


eBook
240 Seiten
Verlag in Farbe und Bunt

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Romy Wolf















19. Jahrhundert im Ruhrgebiet. Kohlenstaub, Gestank, unwürdige Arbeitsbedingungen, Leben auf engstem Raum. Der beste Nährboden für Gruselgeschichten um geheimnisvolle Krankheiten. Wenn diese auch noch wahr werden und sich Druiden und eine Horde nimmersatter Wesen dazu gesellen, braucht es tapfere offenherzige Geschwister wie Micha und Neni, die alles daran setzen, die Rätsel zu lösen. Romy Wolf hat einen historischen Roman mit Fantasy-Elementen hingelegt, der mich überzeugt hat. Die Geschichte mag ganz furchtbar nach Horror klingen, wenn da nicht immer eine winzige Portion Sympathie für die Geschöpfe der Nacht mitschwingen würde.

Als kleines Kind habe ich lange Zeit geglaubt, der „Ruhrpott“ sei ein riesengroßer Kessel mit brennenden Kohlen, in dem hunderte von Menschen mit langen Stangen herum rührten. Seitdem hatte das Ruhrgebiet für mich immer eine gewisse magischen Anziehungskraft. Wenn ich heute an den stillgelegten Zechen und Halden vorbeifahre, bekomme ich immer noch Gänsehaut und denke an die Geschichten von Geistern, Gnomen und anderen Wesen der Unterwelt, die hier kursiert haben müssen.

So ist auch diese Geschichte um den 20jährigen Micha und seine Schwester Neni (12) aufgebaut. Man erfährt viel über die Lebensbedingungen der Menschen Über- und Untertage gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Man erfährt auch einiges über Wesen, die in den Gruben hausen und Unheil über die Menschen bringen, wenn man ausversehen ihren Frieden stört. In diesem Fall bemerken die Geschwister Micha und Neni, dass etwas nicht mit rechten Dingen zugeht, als nach und nach die Bewohner ihrer Siedlung der „Narrenkrankheit“ verfallen und Neni von den Geistern der Verstorbenen vor den geheimnisvollen Seelenfressern gewarnt wird. Micha und Neni sind sehr sympathische Charaktere, aber zu Beginn der Geschichte nicht die allerbesten Freunde. Die Aufgabe, der sie gegenüberstehen, lässt sie aber im Verlauf der Handlung enger zusammenrücken. Auch die anderen Charaktere sind sehr lebendig beschrieben – selbst die Toten. Mir sind ganz besonders die beiden Druiden Falkor und Jaris, die durch ein Verbrechen und Versprechen seit 800 Jahren aneinander gefesselt sind, sehr ans Herz gewachsen. Und selbst die kleinen gemeinen Seelenfresserchen haben einen Hauch Sympathisches an sich. Der Stil ist lebendig und warmherzig, nur leider an einigen (wenigen) Stellen für meinen Geschmack etwas zu einfach. Die Handlung überrascht mit unerwarteten Wendungen und bleibt bis zum Schluss spannend.

Zechengeister hat mich begeistert. Die Kombination aus Historie und Fantasy mit einem Hauch Grusel sowie der Schauplatz der Geschichte haben mir besonders gut gefallen. Wenn es dir so geht wir mir, und du ungewöhnliche Konstellationen magst und dich zusätzlich gerne überraschen lässt und nicht vor ein kleines bisschen Gänsehaut zurückschreckst, dann kann ich dir diesen Roman nur empfehlen.

Lieben Dank an den iFuB Verlag für das Rezensionsexemplar.
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