Samstag, 7. November 2015

Rezension: Die Orangerie von Nike Mangold

Taschenbuch, eBook
163 Seiten
Verlag Qindie

Besuch doch mal die Autorin:
Nike Mangold














Was für ein schönes Buch! Es hält nicht unbedingt, was das Cover verspricht - ein Glück. Denn die Geschichte beschreibt das harte Leben zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts, aber auch mit einer gewissen Leichtigkeit in der Sprache, die Atmosphäre einer Welt im Aufbruch. Gar nicht blumig und auch nicht unverblümt. Lebendig, und basierend auf einem reichen Wissen um Gesellschaft, Historie und Politik in der Hansestadt Hamburg. Es hat mich sehr überrascht.

Anhand der Geschichte des Mädchens Alma aus den Elendsvierteln Hamburgs skizziert die Autorin ein Bild des Zeitgeistes zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts. Es ist eine Zeit des Aufbruchs, des Experimentierens, aber auch der extremen sozialen Ungerechtigkeiten. Alma verdient sich ein paar Groschen mit dem Verkauf von selbstgemalten Miniaturbildern auf der Straße. Sie lebt im berüchtigten Gängeviertel, dem größten Slumgebiet Europas. Und ich erfahre, unter welchen unmenschlichen Bedingungen sie dort leben muss. Alma ergattert den Auftrag, die Blumen einer Orangerie im wohlhabenden Villenviertel Harvestehude zu malen, und wird in die Welt aus Reichtum, Überfluss und Dekadenz geworfen. Sie trifft Per, den sympathischen Nudisten und kriegt hautnah den Standesdünkel der Kaufmannszunft zu spüren. Als sie bösartige Intrigen und Machenschaften der Kaufleute erkennt, versucht sie alles, um diese aufzuhalten.

Die Handlung wird von der sympathischen Alma getragen. Ich begleite sie gerne durch die Höhen und Tiefen ihres Lebens. Höre ihr zu, wenn sie reflektiert, schaue ihr über die Schulter, wenn sie Per erfolglos bittet, sich etwas anzuziehen. Die Sprache ist leicht, fast nüchtern - auf keinen Fall blumig oder schwer. Hanseatisch eben. Die Autorin vermag es, auf den knappen 160 Seiten die Komplexität des Lebens in der aufstrebenden Stadt Hamburg darzustellen. Die Protagonisten sind wie aus dem Leben gegriffen, weder flach, noch überspitzt dargestellt. Mich überzeugt die Beschreibung des sozialen und politischen Lebens in der Stadt. Das macht die Geschichte glaubhaft.

Vielleicht bin ich voreingenommen, weil ich selbst in Hamburg lebe, aber dieses Buch hat mich komplett überzeugt. Handlung, Stil und Protagonisten zeichnen ein buntes Bild des Lebens im Hamburg des Jahres 1905. Die Orangerie gehört zu meinen Indie-Highlights des Jahres.


Danke, liebe Nike Mangold, für das Rezensionsexemplar.
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