Mittwoch, 4. November 2015

[Blick über den Tellerrand] mit Autor Jan Viebahn

Es ist wieder Zeit für einen Blick über den Tellerrand! Dieses Mal habe ich Jan Viebahn um ein Interview gebeten. Nach drei Autorinnen wird es langsam Zeit einen Mann zu Wort kommen zu lassen.

 
Ich kenne ihn zwar nur Online, aber Jan Viebahn strahlt selbst durch das Netz einen herzlichen Humor aus. Die ersten beiden Bände seiner klassischen High-Fantasyreihe "Yrangir" haben mich gut unterhalten. Augenblicklich setzt sich Jan Viebahn mit satirischen Texten auseinander, meines Erachtens die logische Entwicklung im Werdegang des Autors. "Das Handbuch der Dämonenkunde" ist als drittes Buch 2015 erschienen. Seitdem ist Jan Mitglied im Bundesamt für magische Wesen. Wie es ihm dort ergeht, müsst ihr selbst herausfinden.



Ich bedanke mich ganz herzlich bei Jan Viebahn für das spannende Interview, das ich euch jetzt nicht vorenthalten möchte:

Was war dein Berufswunsch mit 8, 14 und 18 Jahren und warum?


Es hat ein bisschen gedauert, aber mir ist wieder eingefallen, was ich mit acht Jahren machen wollte, bzw. gemacht habe. Ich wollte Zeitungsredakteur werden und habe eine ganze Zeit meine eigene kleine Zeitung mit Artikeln und Witzen herausgegeben. Es war ein tolles Gefühl, wenn meine Omi mir für meine Arbeit ein paar Pfennig in die Hand gedrückt hat.

Mit vierzehn hatte mich die Pubertät voll im Griff, ich war fest davon überzeugt, dass ich ein Verbrechergenie werden wollte. So à la Robin Hood, aber ich wollte das von den bösen Reichen geklaute Geld schon für mich und die meinen behalten ;).
Als es mit achtzehn schließlich ernst wurde mit der Berufswahl, hatte ich ganz ehrlich keinen Plan was ich machen wollte. Deswegen bin ich einfach vorerst in der Schule geblieben und habe Abitur gemacht.

Wen bewunderst du am meisten und warum?


Am meisten bewundere ich meine Frau, wie sie die Geburt unserer kleinen Tochter und die Zeit danach auf die Reihe gekriegt hat. Sie hat echt eine Wahnsinnsgeduld, es ist wirklich unglaublich. Es war Stress pur, obwohl es gleichzeitig auch eine supertolle Zeit war. Das verstehen vermutlich nur Eltern. Aber wie sie das alles gemeistert hat, ist echt der Hammer. 

Was denken die Hauptprotagonisten bzw. die Übeltäter aus deinen Büchern über dich (z.B. würden sie mit dir einen Kneipenbummel machen)?


Johann aus „Schwarzes Licht“ würde nie mit mir einen trinken gehen, er ist ein Worcaholic, wenn er nicht gerade als Dämon in Fantasywelten feststeckt. Er würde bei dem Vorschlag auf mich herunterschauen und missbilligend den Kopf schütteln.

Erkar aus „Erkar Bodin“ hingegen wäre da viel aufgeschlossener. Er mag ein leckeres Tröpfchen und ist eigentlich ein lockerer Kerl, wenn das Schicksal ihn grad nicht ganz so hart trifft. Könnte ich einen Ausflug zu ihm machen, würde ich ihn gerne zu einer Whiskeyverkostung einladen, das würde ihm sicher gefallen und gut tun, bei allem was er so erlebt.
Joe Pillwitz aus dem Handbuch der Dämonenkunde wiederum ist ein Perfektionist und verabscheut Dinge, die seinen Geist vernebeln. Da wäre nichts zu machen.

Gegen ein paar gute Whiskeys hätten sicher einige meiner Übeltäter auch nichts, aber ich würde das nicht wollen bzw. würde mir zu viele Sorgen machen, übervorteilt, verprügelt oder gar um die Ecke gebracht zu werden, denn da sind so einige dabei, die wirklich eine schwarze Seele haben. 

Warum schreibst du eigentlich Bücher, wenn du in der digitalen Welt - zum Beispiel als Youtuber - viel mehr erreichen könntest (Geld, Follower, Ruhm)?


Also ich weiß ja nicht ob das so einfach wäre, das alles zu erreichen, aber es ist mir auch egal. Ich liebe einfach das Schreiben, es ist wie eine Kombination aus all dem, was ich immer machen wollte.
Ich kann mich in die verschiedensten Charaktere und Umstände hineindenken, für eine Weile in ferne Welten und Realitäten abtauchen und meiner Phantasie freien Lauf lassen.
Das Tolle dabei ist, was Neues und Eigenes zu erfinden, Pläne zu schmieden, auch wenn ich dabei das Rad nicht neu entdecke.
Es ist allerdings ebenso viel harte Arbeit, wenn es dann daran geht, aus einer Rohfassung ein vernünftiges Buch zu machen, aber das ist schon o.k. für mich. Man kann nicht alles haben und Perfektion ist halt leider bei aller Mühe einfach unmöglich, das ist mir klar.

Wenn du mit deinen Büchern etwas Großartiges in der Welt bewirken könntest, was wäre das?


Mhm, also ich würde sagen mir wäre es am liebsten, wenn gerade in der letzten Zeit, wo die Idas und Gidas aus dem Boden sprießen wie Pilze, die Leute einfach mal wieder ein Buch in die Hand nehmen und lesen würden anstatt Brandsätze zu werfen.
Ich schreibe ja jetzt keine hochwissenschaftlichen oder -psychologischen Werke, aber im Kern geht es doch immer um den Kampf zwischen Gut und Böse, den sich so einige vielleicht noch einmal genauer anschauen sollten. Ich für meinen Teil glaube da ganz fest an Karma.
Tust du Gutes, wird es irgendwann zu dir zurückkommen, tust du Böses, so wird das Gleiche nur umgekehrt der Fall sein. Und ich meine das jetzt nicht subjektiv sondern objektiv!

Wo siehst du dich und das gedruckte Buch in 10 Jahren?


Das gedruckte Buch wird nicht untergehen, da bin ich mir sicher. Es ist einfach zu schön, wirklich das Papier in der Hand zu halten und darin zu blättern. Da wird sich auch nichts dran ändern.
Was ich allerdings glaube ist, dass zunehmend mehr Leute eine Mischform des Lesens entwickeln werden, .d.h. mal herkömmlich lesen, aber auch mal für bestimmte Situationen, in denen es einfach praktisch ist, auf einen E-Reader oder dergleichen zurückgreifen.

Tja, und wo ich in zehn Jahren stehe, ganz ehrlich: Keine Ahnung, aber ich lass mich gern überraschen und außerdem kommt es ja sowieso anders und zweitens als man denkt ;).

Was ich ungefragt noch sagen möchte ist: Vielen lieben Dank für dieses tolle Interview. Es sind wirklich mal ganz andere Fragen als man so gewöhnlich liest. Mir hat es sehr viel Spaß gemacht.

Links

Autorenwebseite: Jan Viebahn
Rezensionen:
Schwarzes Licht von mir
Erkar Bodin von mir
Das Handbuch der Dämonenkunde von Sabrina's Welt der Bücher
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