Freitag, 7. August 2015

Rezension: Das große Schweigen von Katja Montejano


Taschenbuch, e-Book
255 Seiten
emons Verlag

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Katja Montejano

Interview mit der Autorin:
Blick über den Tellerrand











Wozu sind Menschen fähig, wenn sie psychisch an den Rand des Abgrunds getrieben werden? Oder wie weit gehen sie, um ihre dunkelsten Geheimnisse im Verborgenen zu halten? Diesen Fragen geht Katja Montejano mit ihrem Krimi „Das Große Schweigen“ nach. Schonungslos und brutal ist er und bereitet mir spannende Lesestunden mit Gänsehautfeeling. Nicht zuletzt, wenn ich mir vor Augen führe, dass ein dunkles Kapitel der schweizer Justiz in dem Buch mitschwingt.

Der Krimi beruht auf der Frage nach den Konsequenzen, die aus totgeschwiegenen Geheimnissen der Vergangenheit entstehen, bei Familien, unter Freunden und beim Staat. Die „administrativ Versorgten“, mir schaudert bei dieser kalten Amtssprache, waren tausende von Jugendlichen, die ohne Grund ins Gefängnis gesteckt wurden und so genannten fürsorgerischen Zwangsmaßnahmen ausgesetzt waren. Erst Anfang der 80er Jahre wurde dieses System auf Drängen des europäischen Menschenrechtsrats abgeschafft, die Akten vernichtet und die Begebenheit totgeschwiegen. Die Opfer waren auf sich gestellt und mussten zusehen, wie sie mit ihrem Trauma zurecht kommen.

Totgeschwiegenes kann Monster ausbrüten, und das geschieht in diesem Krimi auf besonders makabre Art. Eine brutale Mordserie erschüttert Bern. Und es trifft ausgerechnet Familie und Freunde von Primrose, einer ehemaligen Kriminalbeamtin. Sie merkt, dass sie selbst Ziel des Mörders wird und versucht gemeinsam mit ihrem ehemaligen Kollegen Luc dem Mörder zuvor zu kommen. Dabei stolpert sie über ein gut gehütetes Familiengeheimnis, das sie aber bis zum Ende des Krimis nie gänzlich aufklären kann. Das große Schweigen zieht sich durch den ganzen Roman. Und gleichzeitig legt sich eine Schicht des schrillen Entsetzens über die Handlung.

Die Autorin spielt gekonnt mit Stil und Spannung und zieht mich bis zur letzten Seite - ach was - bis zum letzten Satz in ihren Bann. Mit Einstreuungen von schweizerdeutschen Begriffen bringt sie unauffällig das Kolorit des Alpenstaates ins Spiel. Die Figuren sind sehr plastisch dargestellt und ich kann mich gut in ihr Handeln einfinden. Es gibt kein Schwarz, kein Weiß, sondern Menschen, die alle ihr Päckchen zu tragen haben, mal groß und mal klein. Im Vergleich zum Vorgänger „Zerrspiegel“ ist dieser Krimi stilistisch wesentlich ausgefeilter. Dieser Krimi bewegt sich auch stark in Richtung Thriller. Es stehen nicht nur die Ermittlungen im Mittelpunkt, sondern auch das Spiel des Mörders mit seinen Opfern, die er bis in den Tod brutal quält und foltert.

Das große Schweigen ist ein spannender Krimi mit starken Thriller-Anteilen. Er ist wahrlich nichts für schwache Nerven, strahlt aber auch menschliches und sensibles aus. Das Schweigen mit all seinen Konsequenzen zieht sich bis zum Schluss durch die ganze Geschichte und hinterlässt bei mir einen bitteren Beigeschmack. Wenn du Lust auf Gänsehaut und spannende Unterhaltung hast, ist dieses Buch genau das Richtige für dich.
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Kommentare

  1. Wow, kaum geht man einmal stöbern, wächst die WuLi... *gg*
    Danke für diese tolle Rezension!

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    1. Es freut mich, dass es dir gefällt. Stöbern kann gefährlich sein! :-)

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  2. Klingt nach einem interessanten und spannenden Roman, auch wenn ich den Verlag bisher eigentlich eher für seine eher ruhig gehaltenen Regiokrimis kenne :). Wandert auch auf meine WuLi für den Herbst, wenn ich dann meine Arbeit über externes Controlling anfangen werde. Da brauche ich dann sicher wieder eine ganze Menge Abwechslung neben dem Schreiben :).

    Liebe Grüße
    Mia

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    1. Halo Mia,
      das Buch bietet auf jeden Fall Abwechslung.Viel Spaß beim Lesen im Herbst . :-)
      loralee

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Ich freue mich sehr über Kommentare von euch!

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