Donnerstag, 23. Juli 2015

Rezension: Kernstaub - über den Staub an Schmetterlingsflügeln von Marie Graßhoff



Taschenbuch, eBook
1098 Seiten
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Marie Graßhoff

Interview mit der Autorin:
Blick über den Tellerrand










 Selten habe ich ein Buch gelesen, dass auf derart poetische Art und Weise Science Fiction, Dystopie und Mystery miteinander verwebt. Die Geschichte steckt voller Rätsel und stimmt mit seinem eher philosophischen – fast schon spirituellen – Ansatz nachdenklich über die Natur des Menschen. Kernstaub, der erste Teil einer Trilogie, hat mich sehr beeindruckt und wird noch eine ganze Weile in mir nachklingen.

Stell dir vor, deine Seele durchläuft seit Millionen Jahren immer wieder einen Zyklus von Tod und Wiedergeburt, und du kannst dich an jedes einzelne Leben erinnern – wie Juan. Stell dir vor, du wirst seit Millionen Leben gejagt, weil du der letzte Störfaktor bist, der die Seelen hindert, ihre letzte Bestimmung zu erreichen – wie Mara. Mara und Juan sind im Laufe der Jahrmillionen zu einem eingespielten Team geworden. Allerdings belastet sie das Wissen darum, dass Juan eigentlich dazu bestimmt ist, Mara zu töten. Als die Jäger, die ihnen auf den Fersen sind, immer näher rücken und brutaler werden, geraten die beiden in Bedrängnis und müssen alles unternehmen, um ihre Seelen zu retten.

Marie Graßhoff entwirft in diesem Roman eine Welt von ungewöhnlich dichter Komplexität und zieht mich durchgehend von Seite 1 bis 1098 in seinen Bann. Mit dem Roman untersucht sie den Sinn von Leben, Liebe, Menschlichkeit sowie die Endlichkeit des Planeten Erde. Die Basis bildet eine Philosophie der Seelenwanderungen mit buddhistischen Zügen. Stell dir Buddha in Matrix vor, dann bist du nah dran - und doch ist es ganz anders.

Die Autorin lässt sich viel Zeit, die Charaktere zu entwickeln. Alle, selbst die Nebenfiguren und Fieslinge, sind fassettenreich gezeichnet. Es gibt in dieser Welt keine schwarz-weiß Malerei und auch kein reines Gut oder Böse. Dadurch wird das Handeln der Figuren unberechenbar und spannend. In Rückblenden lernen wir mehr über die Beweggründe für ihr Verhalten in der Jetztzeit und tauchen tiefer in die Philosophie dieser Welt ein. Die poetische und detailreiche Beschreibung der Umwelt macht die Geschichte äußerst plastisch. Und immerzu begleitet mich das Rätselhafte und Mysteriöse dieser Welt - bis zum Schluss.

„Träumend wandeln wir zurück, während unsere wachen Körper voranschreiten und nicht sehen was unser Geist schon vor so langer Zeit verloren hat."                          (Kapitel 9, einleitender Spruch)

Man vermutet zu Beginn gar nicht, was alles in diesem außergewöhnlichen Buch steckt. Es erinnert mich an die klassischen Science Fiction Romane mit philosophischem Anspruch und beeindruckt mich mit seiner Sprache und den verschachtelten Bildern. Das Buch ist sehr lang, detailreich, und auch anspruchsvoll. Es verlangt dem Leser einiges ab, deshalb rate ich jedem, der dieses geniale Buch lesen möchte: Gönn dir ein, zwei Mal beim Lesen eine Pause, um alle Informationen verarbeiten zu können. Das steigert den Lesegenuss ungemein.

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Lieben Dank an Marie Graßhoff für das Rezensionsexemplar, das ich im Rahmen einer Lovelybooks Leserunde zusammen mit anderen begeisterten Lesern und der Autorin diskutieren durfte.
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Kommentare

  1. Hi,

    dieses Buch ist mir auch schon aufgefallen und hatte mir hierzu mal eine Leseprobe heruntergeladen, bisher aber noch nicht die Zeit gehabt, sie zu lesen. Nach deiner Rezi werde ich das aber zeitnah nachholen :)

    Danke fürs erinnern und liebe Grüße,
    Uwe

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    1. Hallo Uwe,
      das habe ich sehr gerne gemacht! :-)
      Viel Spaß beim Lesen!
      loralee

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  2. Jetzt musste ich unbedingt auch deine Rezension zu diesem Buch lesen - wir waren gemeinsam in der Leserunde auf Lovelybooks, oder? *-*
    Buddha trifft Matrix ist eine schöne und sehr treffende Umschreibung, glaube ich. Wenn ich jemandem das Buch empfehlen möchte und dafür nur einen Satz habe, wäre das der perfekte Satz dafür.
    LG,
    Evanesca

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    1. Ja genau, wir waren zusammen in der LB Leserunde. Ups, du erinnerst mich, dass ich das in der Rezi noch erwähnen muss... wird sofort nachgeholt.
      Ja, der Satz purzelte aus lauter Verzweiflung in die Rezi, weil ich damit nicht weiter kam. Ich wollte ihn dann eigentlich löschen. Jetzt bin ich froh, dass ich es nicht getan habe. Er beschreibt das Buch tatsächlich ganz gut.
      LG
      loralee

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Ich freue mich sehr über Kommentare von euch!

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