Mittwoch, 17. Juni 2015

Blogtouren - nur ein Marketinginstrument?


 Ich liebe Blogtouren. Sie sind einfach toll! Nun mal ehrlich: Wann hat man denn die Gelegenheit, so viel über Autor*innen und die Entstehung ihrer Romane zu erfahren? Nebenbei lernt man auch noch interessante Blogs kennen und kann an Gewinnspielen teilnehmen, wenn man möchte. 

Bei einer der Blogtouren an denen ich aktiv teilgenommen habe, konnte man zum Beispiel Fragen an die Autorin stellen, die sie auch zeitnah beantwortete. Es entstand eine richtige Diskussion und ich hatte das Gefühl, der Autorin regelrecht gegenüber zu sitzen. Auch sonst war die Tour klasse, ich erfuhr einiges über die Welt des Buches, es gab ein interessantes Interview mit der Autorin und eine Vorstellung der Protagonisten. Ich bekam große Lust das Buch zu lesen und bin jetzt regelmäßige Leserin der beteiligten Blogs geworden.

Natürlich gibt es auch Unterschiede in der Qualität der Touren. Man merkt als Teilnehmerin schnell, ob die Blogger*innen mit Herzblut bei der Sache sind oder unterwegs die Lust verloren haben und lediglich ihre Pflicht abarbeiten (das Letztere kommt zum Glück eher selten vor). Man merkt ihnen auch Erfahrung und Professionalität in der Organisation an. Ich kann mir vorstellen, dass es sehr aufwändig ist, eine gute Blogtour zu organisieren. Dafür braucht man Organisationstalent, Kontakte und einen langen Atem bis alles steht. (An dieser Stelle ein riesengroßes Dankeschön an die Tour-Hosts). Ich habe den Eindruck, dass genau davor viele Blogger*innen zurück schrecken, wenn ihnen der Gedanke kommt, selbst eine Tour zu organisieren. Zumindest geht es mir so. 

Aber es gibt interessante Beispiele aus anderen Ländern, wie es auch anders geht: In den USA sind Blogtouren inzwischen so weit etabliert, dass es mehrere Agenturen gibt, die die Organisation von Blogtouren übernehmen, Autoren und Blogger zusammenführen und den Kontakt zu Buchverlagen halten. Blogtouren sind dort von den Verlagen und Autoren als wirksames Instrument erkannt worden, um ihre Bücher zu promoten. Bezahlen tun die Autor*innen bzw. die Verlage diesen Service. Die Blogger*innen müssen sich lediglich anmelden und nachweisen, dass sie aktiv sind und schreiben können. Mit dieser Methode wird den Blogger*innen zwar das Leben erleichtert, aber lassen sie sich nicht zu sehr von der Verlagsindustrie bzw. den Agenturen instrumentalisieren? In einem Agenturblog steht sogar ganz offen, dass die Blogger*innen bei weniger als 3 Sternen Bewertung des Buches, ihre Rezi bis Ende der Tour zurückhalten oder gleich ganz unter den Tisch fallen lassen sollen. Das kommt natürlich den Interessen der Verlage entgegen und erhöht die Verkaufszahlen. Aber ist das ehrlich?

Hier in Deutschland sieht es mit solchen Dienstleistungen noch etwas karg aus. Bisher konnte ich zwei Plattformen entdecken, die erste Schritte in diese Richtung wagen (blogtouren.de und Netzwerk Agentur Bookmark). Beide setzen ganz unterschiedliche Schwerpunkte. Die eine spricht ganz klar Blogger*innen an, während die andere eher die Autoren und Verlage im Fokus hat.

Ich bin auf jeden Fall sehr gespannt darauf wie sich die Blogtour in den nächsten Jahren hierzulande entwickeln wird. Wird sie dem Trend aus USA folgen oder eigene, kreativere Wege gehen? Eines ist mir sicher: Sie soll bloß nicht von der Bildfläche verschwinden. Ich, als großer Fan, würde es der Blogtour und ihren Macher*innen wünschen.

Wie ist eure Erfahrung mit Blogtouren? Was haltet ihr von dem Trend in den USA? Dienstleisterorganisiert oder selbstgestrickte Blogtour, welches Format ist euch lieber? Wünscht ihr euch mehr Kreativität in der Touren oder sind sie perfekt, so wie sie sind?
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Kommentare

  1. Ich sehe Blogtouren als Werbung an und meide sie deshalb. Ich denke, wirklich gute Bücher haben das nicht nötig.
    Lg Lara

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  2. Hallo Lara,
    wow, das ist ein klares Wort! Meidest du denn auch Lesungen, Messen und Rezensionen? Das ist ja auch Werbung für ein Buch.
    loralee

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    1. Vielleicht habe ich zu unrecht gemieden. Ich habe mich jetzt einmal durchgelesen und so aggressiv wie das eine schlechte Beispiel über das ich gestolpert war, sind die meisten Blogrunden dann doch nicht.
      LG Lara

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    2. Hey, es freut mich, dass du es dir nochmal überlegt hast. Vielleicht treffen wir uns ja mal bei einer Blogtour. Das wäre schön.
      loralee

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  3. Huhu Loralee,
    mit Blogtouren habe ich mich noch gar nicht groß auseinander gesetzt. Um ehrlich zu sein, weiß ich auch gar nicht wie die so ablaufen, wer geht auf wenn zu usw.
    Aber die Entwicklung in den USA finde ich nicht so gut..Rezis zurückhalten und so..neeee
    Auch das mit der Bezahlung finde ich nicht so toll, wobei ich keine Ahnung habe, ob hier in D auf für eine Blogtour bezahlt wird bzw. ob die Blogger Geld bekommen. Irgendwie ist es für mich ein unterschied, ob man dann dafür Geld bekommt oder das jeweilige Buch und vielleicht noch ein paar "Goddies" . Wie sieht du das?

    Liebe Grüße
    Tanja

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    1. Hallo Tanja,
      die Blogger bezahlen nicht für die Blogtour und bekommt dafür auch kein Geld (weder in USA noch hier). Wenn die Tour professionell organisiert ist, zahlen die Verlage bzw. Autoren an die vermittelnde Agentur- sofern ich richtig recherchiert habe. Im Prinzip läuft das genauso ab wie mit den Rezensionsexemplaren (wie du sagst, man bekommt das Buch und evtl. ein paar Goodies). Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass sich Blogger für so etwas "kaufen lassen". Das wäre in meinen Augen gegen die Bloggerehre. Vielleicht bin ich da auch zu naiv.

      Wenn du bei einer Blogtour mitmachen möchtest, kannst du dich an eine der beiden Agenturen wenden oder selbst eine Tour organisieren. Ich selber habe mich noch nicht ran getraut, werde es aber bestimmt einmal ausprobieren. Kleiner Tipp: Bei "Ka-sa's Buchfinder" werden Blogtouren angekündigt, wenn du mal schauen willst.
      Lieben Gruß
      loralee

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    2. Ah ok, und die Agentur geht dann auf die Blogger zu...und organisieren auch alles..... an sich schon praktisch...

      Ne ich glaube das ist erst mal nichts für mich ;) Danke werde ich mal gezielt danach schauen bei ihr.

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  4. Wow, du bist ja wirklich verdammt gut informiert - RESPEKT!!
    Danke für die Einblicke!
    Ich kenne Blogtouren bisher tatsächlich nur als Werbeelement (klar, was sonst?! Aber ich bin der Meinung, auch ein gutes Buch darf werben, denn irgendwie muss man ja von der Existenz des Titels erfahren ;-) ), habe hier und da auch mal bei Gewinnspielen dazu mitgemacht.
    Bisher habe ich aber leider noch keine Erfahrungen mit einer Eigenorganisation.
    Dabei ist es sicher aufregend :-)

    Liebe Grüße!

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    1. Naja, eher oberflächlich informiert. Ich habe den einen oder anderen Artikel dazu gelesen. Aber direkte Erfahrungen mit der Ausrichtung von Blogtouren habe ich nicht.
      Ich finde es interessant, dass sie scheinbar einen schlechten Ruf haben. Das war mir nicht klar.
      Lieben Gruß
      loralee

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