Freitag, 29. Mai 2015

Bewertung mit Maß


Eine Rezension zu schreiben und am Ende das Buch zu bewerten gehört zum Tagesgeschäft von Buchbloggern. Dabei fallen die Rezensionen an sich sehr unterschiedlich aus. Sie können kurz oder lang sein, einen persönlichen Touch haben, humoristisch oder sachlich verfasst sein.

Ebenso unterschiedlich sind die Bewertungskriterien. Fünf Sterne, 10 Elfen, sieben Eulen, der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Und deswegen lese ich auch gerne die Rezensionen von Buchbloggern. Manchmal komme ich aber bei der Bewertung von Büchern ins Schwanken und frage mich, ob ich je nach Buch unterschiedliche Schwerpunkte bei der Bewertung setzen kann. Hier sind zwei Beispiele, die ihr bestimmt auch aus eurer Erfahrung kennt:

Als ich letzte Woche die Rezension zu 30 Tage nach Tim vorbereitete, steckte ich ganz unerwartet in einem Dilemma. Ich hatte schon beim lesen gemerkt, dass Chicklit gar nicht mein Fall ist, aber wie bewerte ich jetzt das Buch? An Stil, Plot, Figuren der Geschichte ist nichts auszusetzen. Am Ende habe ich das Buch gut bewertet, aber mein Dilemma in der Rezension beschrieben. Zufrieden bin ich damit nicht.

Ein anderes Beispiel ist die Bewertung von Indie-Büchern, die im Selbstverlag  veröffentlicht werden. Diese Bücher entstehen unter anderen und oft schwierigeren Bedingungen als Verlagsbücher. Oft können sich die Autoren keine professionellen Lektoren leisten, was sich beim Stil und der Rechtschreibung bemerkbar macht. Wird das bei der Bewertung des Buches berücksichtigt? Darf man hier mit zweierlei Maß messen?

Einige Buchblogger haben für sich Bewertungskriterien festgelegt, die auf jedes Buch angewendet werden. Wortgestalt ist hier ein interessantes Beispiel. Andere, und dazu zähle ich mich auch, bewerten aus dem Bauch heraus, und der richtet sich bekanntlich nach der Tagesform.

Nun interessiert mich eure Meinung dazu. Darf man mit zweierlei bzw. vielerlei Maß bewerten? Was sind eure Erfahrungen?


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Kommentare

  1. Eine sehr interessante Frage, die du da aufwirfst!
    Ich selbst gehöre auch auf jeden Fall zu den "aus dem Bauch heraus"-Bewertern, da ein Buch mich einfach überzeugen muss - im Gesamtpaket...
    Es kann also auch passieren, dass ich /eigentlich/ nichts auszusetzen habe, es mich aber trotzdem nicht packt, nicht berührt, oder ich irgendwie sonst nicht davon überzeugt bin. Dies versuche ich in meiner Rezi dann natürlich zu beschreiben, habe aber auch manchmal (selten) Fälle, in denen ich nicht einmal sagen kann, woran es liegt, dass es mich nicht überzeugen konnte. Dann versuche ich auch das zu kommunizieren, auch wenn das natürlich für Autoren wie Leser gleichermaßen wenig aussagekräftig ist, so dass ich versuche das zu vermeiden.
    Zudem bin ich ein Stimmungsleser, d.h. was mir heute gefällt, kann mich morgen nicht überzeugen oder andersrum.
    Die Sache mit den zweierlei Maßstäben ist so eine Sache....
    Schwierig, denn für mich gehört zum Lesegenuss einfach absolut dazu, dass das Buch eben nicht voller Tippfehler steckt, denn das trübt meine Laune automatisch. Dann tut es mir für die guten Ideen usw natürlich umso mehr leid, was ich auch vermerke, aber es gehört eben dazu.
    Ob ich manchmal solche Dinge "unter den Tisch fallen lasse", pfff, kann ich nicht einmal sagen. Zumindest nicht absichtlich, würde ich mal behaupten.

    Geht es dir dann auch so, dass du manchmal gar nicht konkret festmachen kannst, was dich an dem Buch "stört"?

    Liebe Grüße und danke für diese tolle Frage!
    Agnes

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  2. Hallo Agnes,
    gern geschehen, freut mich!
    Manchmal geht es mir tatsächlich so wie dir. Mir gefällt das Buch nicht, und ich kann nicht erklären, wieso. Manchmal fällt es mir leichter, wenn ich ein paar Tage später mit der Rezi anfange. Dann kommt es quasi mit dem schreiben. Einmal klappte es aber überhaupt nicht, dann habe ich aus lauter Verzweiflung keine Rezi geschrieben.

    Habe ich das richtig verstanden? Du würdest ein Buch mit vielen Rechtschreibfehlern aber tollem Inhalt dann eher 3 Sterne geben, statt 5 (zum Beispiel), weil die Fehler stören.

    Liebe grüße
    loralee

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  3. Hallöchen :)

    Ich finde es auch schwierig, bei manchen Büchern. "Feuer und Stein" von Diana Gabaldon habe ich beispielsweise nach 600 Seiten abgebrochen. Aber ich weiß, dass historische Bücher nicht wirklich meins sind. Deshalb habe ich das Buch auch nicht als schlecht bewertet, sondern als "Für die, die historische Bücher mögen gut, für mich aber nicht".

    Bei Büchern, die eigentlich schon in mein Beuteschema passen, bewerte ich aber meistens aus dem Bauch heraus. Denn wenn mir ein Buch aus einem Genre, das ich oft lese und mag, nicht gefällt, dann bewerte ich es schon schlecht. Aber auch nur, wenn ich Argumente dafür finde.

    Wenn viele Rechtschreibfehler auftauchen, merke ich das in der Rezension an, aber das hat keinen wirklichen Einfluss auf die Bewertung. Da kommt es bei mir vor allem auf Inhalt und Charaktere an.

    Liebe Grüße
    Miriam

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    1. Hallo Miriam,
      das ist ein interessanter Ansatz. Ich glaube es ist vor allem wichtig zu begründen, wieso man das Buch gut oder schlecht findet und welche Prioritäten man bei der Bewertung setzt. Da wir aus dem Bauch entscheiden, ist eine Objektivität sowieso nicht gegeben.
      Liebe Grüße
      loralee

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  4. Wenn ich ein Genre nicht so gerne mag und dennoch ein Buch davon lese, dann mache ich das in meiner Bewertung deutlich. Dass Fans des Genres vielleicht mehr damit anfangen können. Aber meine Wertung ist nicht angepasst, war es für mich nur mittelmäßig bekommt es auch die mittelmäßige Wertung. Und meistens hat man doch auch ganz anständige Begründungen, als nur dass das Genre Schuld ist :) Also zumindest ist es bei mir so, dass es ein Buch in dem Genre vielleicht schwerer hat zu überzeugen, aber wenn es alles richtig macht, sollte es mir (normalerweise) auch gefallen. Kommen noch Unstimmigkeiten etc. Dazu, dann geht's nach unten.

    Bei Indiebüchern erwähne ich es (wenn ich mal welche les, muss ich zugeben) aber da würde ich erst recht nicht mit zweierlei Maß messen. Denn leider gibt's da auch wenig gelungene Bücher, die nicht unbedingt einen "Bonus" verdient haben. An den richtig tollen Indiebüchern sieht man dann wieder, dass es eben auch ohne Verlag wunderbar geht :)

    Liebe Grüße,
    Tina

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    1. Hallo Tina,
      an deinem Argument ist was dran. Man sollte sich und seiner Art zu bewerten treu bleiben und nicht unterschiedliche Messlatten anlegen. Und wenn man es doch tut, es dann aber gut und nachvollziehbar begründen.

      Ich komme langsam zu der Überzeugung, dass, egal wie man es dreht oder wendet, am Ende immer das individuelle Lesevergnügen die Bewertung bestimmt. Und das zeichnet ja auch die Buchblogger aus.

      Lieben Gruß
      loralee

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  5. Hey Loralee,
    schöner und Interessanter Beitrag :)

    Ich versuche immer gleich zu bewerten, lege aber auch nicht so viel wert auf Rechtschreibfehler, sollten viele davon vorkommen, erwähne ich dies, aber werte es nicht. Ob ein Buch nun einem SB oder einem Verlag stammt, lasse ich ( oder versuche ich^^) bei meiner Bewertung außen vor zu lassen. Man könnte nun sagen. Wenn dir ein Buch von einem SB gefällt, sollte man es auch mehr loben, weil ja alles ohne Verlag geschafft wurde. Aber ich finde, des ist ein bissl ein Rattenschwanz. Dann könnte man auch sagen, man sollte ein Debüt Buch anderes bzw. besser beurteilen oder ein Buch von einem Teeanger....Ich erwähne diese Punkte dann in meiner Rezi, aber lasse sie nicht in die ( Sterne ) Bewertung einfließen.

    Ich lese meistens in meinem Genre. Und da gehören auch die Jugendbücher dazu, wo es starke Unterschiede gibt. Und ich habe mich auch schon gefragt, darf ich mich bei einem Jugendbuch beschweren, dass die Handlung sehr Teenagerhaftig war ? Aber es gibt ja wiederum auch solche, die mich voll und ganz überzeugen konnten. Also liegt es ja nicht am Genre an sich, sondern aus dem was der Autor daraus macht. Deswegen schreibe ich es dann auch einfach so wie ich es empfinde. Ganz glücklich bin ich nicht damit, aber eine andere Lösung wüsste ich auch nicht, da ich ja MEINE Meinung dazu schreiben möchte. Ich erwähne dann aber die Zielgruppe und dass es nicht so für Erwachsene die auf dieses oder jenes Wert legen geeignet ist.

    So nun habe ich dir einen Roman da gelassen :)
    Hoffe es kommt raus, was ich meinte^^
    Liebe Grüße und ein schönes Wochenende
    Tanja

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  6. Moin Tanja,
    danke für deinen "Roman", liest sich aber interessant. Ich glaube schon, dass ich dein Argument verstanden habe. Du sprichst da einen guten Punkt an: ".., da ich ja MEINE Meinung dazu schreiben möchte." Ich glabe das ist die zentrale Fragestellung, die man nicht aus dem Auge verlieren darf, wenn man Rezis schreibt.

    Liebe Grüße
    loralee

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  7. Hallo Loralee,

    das ist wirklich eine sehr interessant Frage die du da hervorgeholt hast.
    Ich muss sagen, dass ich auch immer aus dem Bauch heraus entscheide. Und da mache ich keinen Unterschied zwischen bekanntem Verlag oder Selfpublisher.
    Dennoch passiert es mir auch, dass ich bei einem Buch mal nichts zu bemängeln habe aber dennoch nicht die vollen Punkte vergeben möchte, weil es mich z.B. emotional nicht gepackt hat.
    Oder manchmal hat ein Buch einige Makel und ich vergebe trotzdem recht viele von meinen Leseratten, weil die Story einfach so super und schlüssig war.
    Grundlegend entscheide ich voll aus dem Bauch und versuche alles auch so zu schreiben wie ich es empfinde. Meist verfasse ich meine Rezensionen aus dem Schreibfluss heraus, wie es mir gerade in den Kopf kommt und besser dann später alles soweit aus, dass es für alle anderen lesbar ist :D
    Rechtschreibfehler sind immer so ne Sache. Wenn es zu viele sind lenkt mich das immer total ab und ich kann nicht entspannt lesen, sondern habe eher das Gefühl ich würde Korrekturlesen. Gott sei Dank ist mir das bis jetzt nur bei einem Buch aus einem sehr kleinen Verlag passiert. Da waren so viele Fehler drin, das ich überall blaue Post-it`s ins Buch geklebt habe, um dem Verlag die Fehler zu melden, der sie dankend angenommen hat. Und im Klappentext war sogar ein ganz dicker Fehler. Da war nämlich der Name der 2. Hauptperson gänzlich falsch genannt. Da war echt furchtbar. In meine Bewertung habe ich das nicht mit einbezogen, aber ich habe es in meiner Rezension genannt.

    Naja jetzt habe ich auch meinen Schreibfluss bei dir auf dem Blog ausgelassen.
    Ich wünsche dir einen schönen Abend

    Grüße
    Sara von Sara`s etwas andere Bücherwelt

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    1. Hallo Sara,
      ich liebe Schreibflüsse! Es freut mich, wenn die Fragen mit denen ich mich beschäftige Anklang finden, wie es offensichtlich hier der Fall ist. So gebe ich Impulse weiter und erhalte von euch auch welche. Das finde ich super!

      Ich mache das genauso we du. Sobald ich das Buch beendet habe und die Eindrücke noch frisch sind, setze ich mich hin und schreibe wild drauf los. Ich finde, dass macht die Rezi auch autenthisch. Außerdem ist es ein Vorteil, den wir Blogger haben und auch nutzen sollten. Ich will aber damit nicht den Bloggern auf die Füsse treten, die ihre Rezensionen systemathisch angehen. Das hat sicherlich auch seine Berechtigung und macht im Gesamtpaket, die Szene zu einer interessanten Mischpoke.

      Oje, ich merke, meine Kommentare werden auch immer länger :-)
      Das scheint ansteckend zu sein.

      Liebe Grüße
      loralee

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