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Freitag, 17. Februar 2017

Glass Coffin - Märchen aus der Welt des Verbrechens

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Glass Coffin von Rohlmann / Engels

Ich habe mich sehr auf das Wiedersehen mit den kriminellen Märchenfiguren aus der Saint Falls Serie gefreut. Vor allem in der Hoffnung, mehr über den Machtkampf zwischen den beiden urgewaltigen Bandenchefs Wolf und Beast zu erfahren, die um die Kontrolle über den Drogenmarkt und das Rotlichtmilieu der Stadt Saint Falls kämpfen. Ich wurde nicht enttäuscht! Gesamtkonzept, Plot und Figuren sind differenzierter und wesentlich schärfer ausgearbeitet als im ersten Teil.

Glass Coffin, Teil zwei der Saint Falls Reihe, spielt ebenfalls in der Welt des märchenhaften Verbrechens und schließt direkt an den ersten Teil an. Diese Anthologie aus acht Kurzgeschichten ist aber wesentlich härter, schneller und actionreicher. Die Geschichten haben aber auch eine einfühlsame, nachdenkliche Seite, was die Geschichten weg vom vierfarbig zweidimensionalen comichaften führt – so wie er im ersten Teil dominierte. Da ist zum Beispiel Beast, der eigentlich etwas sympathischere der beiden Konkurrenten, der vor einer einschneidenden Entscheidung steht: hart, bestialisch und kaltherzig oder emotional, empathisch, sensibel. Ihm steht im Machtkampf gegen Wolf seine Sensibilität und emotionale Zerrissenheit gehörig im Wege und er entwickelt, trotz härtester Gegenmaßnahmen, eine emotionale Bindung zu der Prostituierten Schaharazad, die ihm die allerschönsten Geschichten erzählt.

Der Aufbau der Anthologie folgt demselben Muster wie sein Vorgänger: Vier Autoren und acht in sich abgeschlossene Kurzgeschichten, die dennoch eine gemeinsame Einheit bilden. Viele Figuren, die im ersten Teil kleine Nebenrollen spielten, rücken hier stärker in den Vordergrund und man lernt sie näher kennen. Sie und ihre Motivation für ihre teils unorthodoxen Handlungen. Wie zum Beispiel eine männliche Fee mit magischen Fähigkeiten.

Die Konkurrenz zwischen den beiden Drogenbossen Wolf und Beast steigert sich so sehr, dass sie am Ende zu ungewöhnlichen magisch-teuflischen Mitteln greifen – Mittel, die nur in der Märchenwelt Sinn ergeben. Die Spannung steigert sich bis zum Schluss und hinterläßt mich in derselben Situation wie am Ende der ersten Anthologie: Happy End.

 Glass Coffin hat mich begeistert und überzeugt. Die Stimmung düster, halbseiden und doch irgendwie menschlich.  Es ist sehr viel Action in den Geschichten und Gewalt. Sie sind also absolut nichts für zartbeseitete Gemüter. Ich bin sehr gespannt auf den nächsten Teil dieser Reihe.


Danke für das Rezensionsexemplar, David Rohlmann 

Eckdaten: Glass Coffin, EBook, 134 Seiten, Selbstverlag
Autoren: David M. Rohlmann, Maria Engels, Jenny Wood, Cat Lewis, David Knospe
Rezension: Happy End


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Mittwoch, 15. Februar 2017

Im Gespräch mit Autorin Angela L. Forster

Mit einem Selfie den schönen Abend mit Autorin Angela L. Forster (re) beenden.

Das Kulturcafé Komm Du in Hamburg-Harburg war der perfekte Treffpunkt für das Interview mit Krimiautorin Angela L. Forster: gemütlich, herzig und offensichtlich eines ihrer Stammlokale. Es liefen gerade die Vorbereitungen für eine Lesung im Nebenraum. Soundcheck, Musik, leises Gemurmel. Eine tolle Kulisse für mein erstes Live-Interview mit einer Autorin.
Erste Unsicherheiten verflogen schnell, als wir uns in ein interessantes Gespräch über Krimis, Mord, Todschlag und Romantik in der Lüneburger Heide vertieften - inklusive einer kurzen Zeitreise in die Südsee des 18. Jahrhunderts.




Wenn ich versuchen sollte diese Frau mit einem Wort zu beschreiben, würde ich hoffnungslos scheitern. Angela L. Forster ist quirlig, lebendig, bodenständig, nachdenklich, sensibel, zielstrebig, ausschweifend, freundlich, und noch vieles mehr. Ich habe noch nie jemanden getroffen, der so viele gegensätzliche Eigenschaften innerhalb einer Stunde auf sich vereinte. Ich war total fasziniert!
 

Ich bedanke mich sehr herzlich bei Angela für das inspirierende und offene Gespräch. Eine Liste mit weiterführenden Links findet ihr am Ende dieses Beitrags.

 

Seit wann schreibst du Krimis und welche Art von Kriminalromane sind das?

Krimis habe ich eigentlich schon immer geschrieben. Das ist einfach das Genre, das mir am meisten liegt. Ich habe angefangen mit der Veröffentlichung von Kurzgeschichten in Zeitungen und Zeitschriften. Ich bin dann dazu übergegangen Kriminalromane zu schreiben, als ich gemerkt habe, dass ich mehr Platz für meine Geschichten brauchte. Das war im Jahr 2000.

Der Auslöser für den ersten Roman war ein persönlicher Schicksalsschlag in meinem Leben. Seitdem ist das Schreiben für mich zu einer Art Ausgleich zum stressigen Arbeitstag geworden. Meine Arbeit im Jugendamt ist emotional und mental sehr anspruchsvoll. Ich werde sehr häufig mit Ungerechtigkeiten konfrontiert, die sich nicht so einfach lösen lassen. Deshalb schreibe ich gerade Krimis, weil ich nach einem harten Arbeitstag einfach mehr Gerechtigkeit brauche.

Die Art der Krimis hat sich im Laufe der Zeit verändert. Die beiden ersten Romane (Schuldlos Tot und Wer Rache Sät) gehen unter die Haut, da sie auf wahren Begebenheiten beruhen - die Informationen habe ich aus erster Hand. Deshalb wollte ich inhaltlich nicht zu sehr von der Realität abweichen. Sie haben nur ein paar fiktive Einstreuungen. Besonders hart ist, dass beide Fälle bis heute nicht aufgeklärt wurden.

Meine aktuelle Reihe um Kommissarin Brandt in der Lüneburger Heide ist im Vergleich wesentlich seichter, hat viele Landschaftsbeschreibungen und fast schon ein bisschen romantisch – bis auf die Morde natürlich.

Warum schreibst du Krimis, die in dieser Region spielen?

Meine Eltern stammen aus Bayern und ich bin in Fischbek in der nördlichen Lüneburger Heide aufgewachsen. Bei jeder Gelegenheit haben mich meine Eltern nach Bayern auf die Berge geschleppt, oder wir haben endlose Fahrradtouren durch das Alte Land und die Heide gemacht. Die Kriminalbeamtin meiner ersten Reihe, Petra Taler, stammt zum Beispiel aus München und hat es ins Alte Land verschlagen, wo ihr gleich der erste Fall vor die Füße fiel. Mit diesem Plot konnte ich die beiden Gegenden, die ich so gut aus meiner Kindheit kannte, miteinander verbinden.

Meine zweite Krimi-Reihe entstand aus einem Gespräch mit dem Verlagslektor. Ich hatte ihm meinen Gesellschaftsroman vorgelegt, den er aber ablehnte, weil er nicht in die üblichen beliebten Genres fiel. Stattdessen schlug er mir vor eine Krimireihe zu schreiben, die in der Lüneburger Heide spielt – Ich wählte als Setting das kleine Städtchen Undeloh aus, weil ich es von Ausflügen kenne und der Ort sympathisch ist.  Derzeit arbeite ich gerade am dritten Band der Reihe.

Warum ich immer eine Frau als Kommissarin wähle? Naja, sagen wir es mal so: Aus meiner Sicht hat eine Frau als Hauptfigur einfach mehr Potential und mehr Spielraum als ein Mann, dessen Rolle als Hauptkommissar oft schnell klischeehaft wird.

Weißt du warum Regionalkrimis im Moment so beliebt sind?

Da antworte ich mit einer Gegenfrage: Sind nicht alle Bücher Regionalliteratur? Genau genommen spielen alle Romane in einem bestimmten geografischen Setting, außer es wird extrem viel gereist. 

Ich habe in deiner Biographie gelesen, dass du dich mit Ahnenforschung beschäftigt hast 

und dabei über deinen Namensvetter Georg Forster gestolpert bist. Er ist im 18.  Jahrhundert als Jugendlicher mit dem berühmten Entdecker James Cook um die Welt gesegelt und gehörte später zum Kern der Mainzer Republik. 
 Ja, ich finde das sehr spannend und versuche mehr über ihn herauszubekommen. Mein Vater hat sehr wenig über die Familiengeschichte erzählt, was ich sehr schade finde. Ich fühle mich dem Georg Forster sehr verbunden, da es viele Parallelen in unserem Leben gibt. Er war Revolutionär - ich bin oft sehr rebellisch; er war auch ein Schriftsteller, wie ich und ich werde niemals seekrank. Vielleicht ist das Piraten-Gen in meiner Familie sehr stark ausgeprägt, wer weiß!

Georg Forster war in seinen Aktivitäten sehr global, auch als Revolutionär, während du auf lokaler Ebene wirkst.

Da sprichst du was an! Es ist mein großer Traum, zusammen mit meinem Mann mit dem Wohnmobil durch die Welt zu fahren. Wir waren auch schon kurz davor. Leider kam etwas dazwischen, aber die Idee ist geblieben. Wer weiß, vielleicht klappt es irgendwann in der Zukunft. Ich habe auch einen Gesellschaftsroman geschrieben, bei dem es um eine Reise von Fischbek in der Nordheide nach Cartagena in Spanien geht. Der Roman ist noch nicht veröffentlicht worden. Aber ja, den Drang zu Reisen und Abenteuer zu erleben habe ich sehr stark.

Bevor ich meine letzten Fragen stelle: Hast du denn eine Frage an mich?

Ich habe tatsächlich eine Frage: Ich habe sehr selten eine Verbindung zu Bloggern und ich frage mich, warum ihr das macht? Warum verbringt ihr so viel Freizeit mit dem Blog?

Da kann ich nur für mich selbst sprechen: Ich tue es, weil es mir großen Spaß macht über Bücher zu schreiben und mich mit anderen über Bücher auszutauschen. Wenn ich eine Rezension schreibe, beschäftige ich mich nochmal intensiver mit dem Roman und mir fallen im Nachhinein noch interessante Aspekte an dem Buch auf, die mir beim reinen Lesen nicht aufgefallen wären.

Kannst du mir verraten, warum du schreibst, was treibt dich an?

Ich muss einfach schreiben. Wenn ich zwei, drei Tage nicht schreiben kann, habe ich das Gefühl mein Kopf platzt gleich.  Dann werde ich auch ganz knatschig.  Schon als Kind habe ich viele Geschichten geschrieben. Meine Lehrerin beschwerte sich immer darüber bei meiner Mutter. Ich kann einfach nicht aufhören zu schreiben, ich bin zum Platzen voller Ideen. In meiner Schublade liegen schon mehrere Entwürfe, auch für Kinderbücher, und mein Schreibtisch ist immer voll mit Zetteln.

Zum Schluss noch eine Frage aus meinem Standardinterview: Wenn du etwas mit deinen Büchern bewirken könntest, was wäre das? 

Ich versuche tatsächlich in meinen Romanen immer wieder ein großes Thema unterzubringen, das mir sehr am Herzen liegt. Das ist die Ungerechtigkeit gegenüber allen schwächeren Lebewesen, ob Kinder, Tiere, Kranke, alte Menschen oder eingeschränkte Menschen, die in eine Lage gezwängt werden aus der sie sich nicht alleine befreien können. Und wo Mitmenschen einfach drüber hinwegsehen und sie am Straßenrand liegen lassen würden (sinnbildlich oder auch nicht sinnbildlich, denn leider geschieht das ja viel zu oft). In meinen Geschichten Schuldlos tot und Wer Rache sät, wird das sehr deutlich. 

Meine anderen Geschichten sind rein fiktiv. Als erstes sollen sie unterhalten und wenn dann ab und zu ein solches Thema auftaucht, natürlich auch darüber informieren. Das wollen wir ja alle. Es ist doch immer schön (finde ich), wenn man auch von einem Unterhaltungsbuch noch etwas lernen kann und sich sagt: "Oh, das habe ich noch gar nicht gewusst."


Weiterführende Links:

Angela L. Forster
bei Acabus



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Dienstag, 14. Februar 2017

Leserunde im März


Im März startet die erste Leserunde unter Blogger*innen an der ich teilnehme. Ich bin ganz aufgeregt! Nicht nur weil ich in eine super sympathischen Leserunden-Facebookgruppe gelandet bin, sondern auch, weil das Buch schon ewig lange auf meiner Wunschliste steht: Der historische Roman Der Zug der Waisen von Christina Baker Kline.

Host dieser Leserunde ist Andrea von Leseblick. Sie teilt das Buch in Leseabschnitte auf. Diskutiert wird dann in den Kommentaren. Wenn ihr also Lust habt bei dieser oder einer anderen Leserunde mitzumachen, schaut einfach bei Andrea rein. Sie kennt sich sehr gut damit aus.


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Christina Baker Kline: Der Zug der Waisen
Klappentext:
New York, 1929: Mit neun Jahren verliert Vivian Daly, Tochter irischer Einwanderer, bei einem Wohnungsbrand ihre gesamte Familie. Gemeinsam mit anderen Waisen wird sie kurzerhand in einen Zug verfrachtet und in den Mittleren Westen geschickt, wo die Kinder auf dem Land ein neues Zuhause finden sollen. Doch es ist eine Reise ins Ungewisse, denn nur die wenigsten von ihnen erwartet ein liebevolles Heim. Und auch Vivian stehen schwere Bewährungsproben bevor ... Erst viele Jahrzehnte später eröffnet sich für die inzwischen Einundneunzigjährige in der Begegnung mit der rebellischen Molly die Möglichkeit, das Schweigen über ihr Schicksal zu brechen. (Goldmann Verlag)

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Freitag, 10. Februar 2017

Fantasywoche: Interview mit Autorin Ju Honisch


Wir sind jetzt in der Mitte der online Fantasywoche angelangt und blicken auf viele sehr unterschiedliche und spannende Beiträge zurück. Carla von Carlosia reads Books, Nicola von Whisperleaf`s Fantasy und ich hatten im Rahmen der Aktionswoche Gelegenheit ein Interview mit der Autorin Ju Honisch zu führen. Es war für uns eine kleine Herausforderung alle Ideen und Fragen in diesem Beitrag unterzubringen, denn wir haben es hier mit einer sehr vielseitigen und außergewöhnlich kreativen Frau zu tun.

Autorin Ju Honisch
Ju Honisch schreibt nicht nur Fantasybücher in zwei Sprachen und ungewöhnlichen Settings, sie ist auch sehr aktiv in der kleinen Musikrichtung Filk, die folkige Songs mit Science Fiction oder phantastischen Inhalten komponiert und singt. Wer sich dafür interessiert sollte ihre Website besuchen, gerne alternativ die Homepage des Duos, auf dem man auch wunderbar in die Songs reinhören kann oder die Facebookbandseite.

Für ihre Romane erhielt Ju zahlreiche Auszeichnungen, wie 2009 den Deutschen Phantastik Preis für das beste Romandebüt Obsidianherz und den Seraph 2014 in der Kategorie Bestes Buch für den Roman Schwingen aus Stein. Ju lebt, singt und schreibt heute in Frankfurt am Main.

Am Ende des Posts findet ihr noch eine kleine Übersicht der Romane von Ju Honisch sowie Links zu interessanten Rezensionen.

So, und hier kommt das Interview. Wir wünschen euch viel Spaß damit.

Wo schreibst du am liebsten und wie sieht dein Schreiberalltag aus? Benutzt du zum Schreiben Hilfstools wie Papyrus Author?
Wie bei fast allen Kunstrichtungen, lässt es sich auch vom Schreiben schlecht leben. Die Statistik nennt so zwischen 85 und 90 Prozent Autoren, die auch noch einen ganz „normalen“ Beruf haben. Ich gehöre dazu. So sieht mein Tag etwa so aus: Früh aufstehen. Überarbeiten, was ich am Abend zuvor geschrieben habe. In den „Day-Job“ gehen (ich arbeite als Übersetzerin bei einem Verband). Bis abends arbeiten. Dann die üblichen Sachen erledigen, essen, ein bisschen ausruhen. Und dann wieder schreiben.  Und natürlich an den Wochenenden. Und im Urlaub. Und wenn man im Zug unterwegs ist. Und. Und. Und.

Es ist recht anstrengend, und es kommt vor, dass ich auch manchmal einfach nur einschlafe. Das klingt wahrscheinlich nicht besonders spannend, aber – meine Güte – es füllt einen aus. Der Tag ist immer zu kurz. Aber ohne Schreiben würde ich zur Karotte verkommen.

Hilfstools benutze ich nicht. Ich habe mir mal Scrivener gekauft, aber konnte mich bislang nicht dazu bringen, es auch zu benutzen. Ich arbeite lieber mit Tabellenlisten. Dort halte ich alle Namen und Personenbeschreibungen fest und natürlich auch alles, was ich für die Welt, in der ich meine Bücher spielen lasse, an Flora oder Fauna erfinde. Dazu erstelle ich auch immer eine Karte, um die Entfernungen und Zeiten, in denen man sie zurücklegt, plausibel zu halten.

Trotz schreiben, arbeiten und wieder schreiben, nimmt sich Ju noch Zeit für die Musik.


Wieviele deiner Bücher wurden in andere Sprachen übersetzt?
Bislang nur eins: Das Obsidianherz wurde ins Polnische übersetzt. Mein Agent versucht gerade, auf den englischsprachigen Markt zu kommen. Und wir haben eine Anfrage aus China. Daumen drücken bitte!

Welches deiner Bücher ist dein absoluter Liebling? Warum? Verrätst du uns auch welche Bücher du sonst noch gerne liest?
Ich mag immer noch meinen ersten Roman am liebsten. Vielleicht, weil es eben der erste war. Vielleicht einfach nur, weil er sich fast von selbst geschrieben hat und weil er einfach das war, was ich wollte. Unbedarft, wie ich an die Sache herangegangen bin, habe ich damals noch auf niemanden gehört, der mir gesagt hätte, schreib lieber dies oder das, das verkauft sich besser.

Ansonsten lese ich neben Rechercheliteratur viel Phantastik, sowohl Fantasy als auch Science Fiction. Zu meinen LieblingsautorInnen gehören Terry Pratchett, Tanya Huff, Lois Mcmaster Bujolt, Charles Stross, John Scalzi .und viele, viele mehr. Ich lese mehr englische Bücher als deutsche. Ich schrecke auch vor Vampiren nicht zurück – habe ja selber einen – aber Romantasy ist nicht so mein Ding.

Wie kommst du zu deinen Ideen, hast du z.B. erst eine Figur im Kopf um den du die Geschichte entwickelt oder baust du deine Geschichten mit der Idee eines Szenarios auf?
Eigentlich beides. Meine ersten Romane spielten 1865-1867. Da war das Szenario quasi teilweise vorgegeben, und ich brauchte mich nur noch auf die Personen und Handlungsstränge zu konzentrieren. Für mich ist es besonders wichtig, dass die Figuren leben und fühlen. Aus ihrem Leben, Fühlen und Denken gestaltet sich auch die Handlung.

Natürlich habe ich einen groben Plan. Aber die Feinheiten entstehen, während ich schreibe und mit den handelnden Figuren mitfühle. Im Englischen gibt es für die Arbeitsweise von Autoren zwei Begriffe: „planner“ und „pantser“. Ein Pantser ist einer, der einfach so frei von der Leber weg schreibt. (Bezieht sich auf das Idiom: „doing something by the seat of your pants“) Ich wünschte manchmal, ich wäre ein besserer Planer, das würde die Sache vereinfachen.
Wenn man einen klassischen Fantasy-Roman in einer eigenen Welt schreibt, muss man sich aber zumindest vorher Gedanken  über Zeit, Technik-Level, Staatsstruktur, Bildungsniveau, Geschlechterbeziehungen usw. machen. All das muss als Rahmen schon feststehen, bevor man mit der Handlung anfängt.

Würdest du im Nachhinein Teile deiner Bücher oder Figuren anders schreiben? Gibt es Stellen oder Passagen, welche dir nun nach der Veröffentlichung nicht mehr so zusagen?
Schwierige Frage. Je mehr Abstand man zu einem Werk hat, desto mehr sieht man Stellen, die man vielleicht um der Stringenz willen auch mal hätte etwas kürzer fassen können. Ich habe eines meiner Bücher „Die Quellen der Malicorn“ mal für die Wiederveröffentlichung in einem neuen Verlag noch einmal überarbeitet. Aber sehr viel habe ich nicht geändert. Kleinigkeiten hier und da. Was einmal veröffentlicht ist, ist raus. Wenn es erst gedruckt ist, ist es zu spät, noch etwas zu ändern. Da hilft kein Hadern.
Manchmal merke ich während einer Lesung, das ich über eine Stelle stolpere, wenn ich sie laut lese. Dann denke ich mir schon: „Hättste mal …“. Aber tatsächlich versuche ich genau das zu verhindern, indem ich – bevor ich ein Manuskript abgebe – es tatsächlich laut lese. Alle 800 Seiten. Da fällt man noch mal über Dinge, die man einfach so am Bildschirm nicht bemerkt.

Es gibt ja eine Menge Mythen, Legenden und phantastische Geschichten aus der Zeit des 19. Jahrhunderts in Bayern. Bindest du sie in deine Geschichten ein oder schreibst du losgelöst von dem historischen Setting?
In meinen 19. Jahrhundert Büchern gibt es beides, erfundene Wesen und solche, die ich mir aus den Mythen der Region geholt habe. In „Salzträume“ gibt es z.B. einen Wassermann im Grundlsee. Den habe ich aus einer klassischen Alpensage. Die Ortschaft Grundlsee führt bis heute ihren Wassermann im Wappen. Die dreigeteilte Frauengottheit, die es im gleichen Buch gibt, geht auf alpinen vorchristliche Überlieferung zurück. Natürlich habe ich das Wenige, das es zu solchen Legenden oder Mythen gibt, durch das ergänzt, was ich für die Handlung brauchte. Das finde ich auch legitim, denn ich schreibe ja Phantastik und keine Abhandlung über volkskundliche Themen.
Was das historische Setting dieser Romane angeht, so versuche ich mich so nah wie möglich an geschichtliche Fakten zu halten. Das setzt eine Menge Recherche voraus. Viel Arbeit. Auch Erkundung vor Ort u.s.w. Es hilft, dass ich Geschichte studiert habe.
In klassischer Fantasy wird das dann durch „World building“ ersetzt. Auch hier hilft es, wenn man historische Abläufe kennt, um einen bestimmten Tech-Level plausibel zu machen.

Stell dir vor, du läufst durch den Englischen Garten und es tut sich vor dir ein Portal in deine erschaffene Welt auf. Gehst du hindurch oder nicht; und welcher deiner Figuren würdest du am liebsten begegnen und warum?
Oh je. Wenn ich wüsste, dass ich dann auch wieder zurückkann, würde ich natürlich hindurchgehen. Aber ich wollte nie in einem meiner Szenarien leben. Ich bin den modernen Errungenschaften wie Badezimmer, Toiletten und medizinischer Fortschritt durchaus zugetan. In einer archaischen Welt wäre ich schon tot. Das ist ein ernüchternder Gedanke. Die Vergangenheit ist ein fremdes Land – aber nicht unbedingt ein schöneres.
Natürlich würde ich gerne Delacroix oder Graf Arpad treffen. Oder – in meinem neuen Buch – den geheimnisvollen Verenn.

Bisher waren deine Bücher ja eher im Steampunk angesiedelt (nun ja, eher Fantasy vor einem viktorianischen bzw. preußisch-bayrischen Setting mit einigen Steam-Elementen). Dein neuester Roman schlägt aber eine ganz andere Richtung ein und beschreibt eine komplett fantastische Welt. Was schreibst du lieber und wirst du in die Welt des Steampunks zurückkehren?  
Ich habe die Steampunkbücher mit sehr viel Spaß geschrieben, weil mir das Setting selbst sehr zugesagt hat. Ich hätte auch noch Ideen für weitere Bände gehabt. Aber die Verlage haben sich weit mehr für klassische Fantasy interessiert. Und natürlich möchte man, dass ein Buch, das man schreibt, auch veröffentlicht und gelesen wird. An dieser Stelle kommt dann auch der Agent ins Spiel, der einem sagt, dies oder das hat eine Chance. Anderes weniger.
Vielleicht werde ich irgendwann wieder einmal so einen historischen Fantasy-Roman schreiben. Vielleicht in der nächsten Generation?
Im Moment tummele ich mich aber auf der Welt Predorenn, wo es blutig und spannend zugeht. Ich schreibe gerade schon am zweiten Band der Reihe.

Und mehr als einen Roman gleichzeitig kann ich nicht schreiben.

In Amerika ist Steampunk bereits etabliert, aber die Masse der deutschen Fantasybücher sind doch eher im Bereich Romantasy angesiedelt, was meinst du woran das liegt?
Steampunk ist ja nicht nur eine Literaturgattung, es ist auch ein Lebensgefühl und eine generelle Kunstrichtung. Tatsächlich gab es da lange weder im englischsprachigen, noch im deutschsprachigen Bereich besonders viele Bücher. Und es ist immer noch nicht sehr bekannt, zumindest nicht im Mainstream.
Zu Romantasy kann ich nichts sagen. Das ist etwas, das an mir vorbeiging. Die Klassifizierung ist da auch schwierig. Nicht jede Geschichte, die auch eine Liebesgeschichte hat, ist Romantasy. Vielleicht muss man das so definieren, dass bei Romantasy die Liebesgeschichte dominiert, während bei anderen Formen die Liebe das Beiwerk zur Handlung ist?
Ob Romantasy mehr gelesen oder auch nur veröffentlicht wird als andere Fantasy? Weiß ich tatsächlich nicht.

Seelenspalter (Band 1, die Geheimnisse der Klingenwelt)
Warum meinst du hat sich der Steampunk (noch) nicht beim breiten Zielpublikum in Deutschland durchgesetzt und meinst du es wird eher eine Nische bleiben?
Steampunk ist eine Kunstform, die sehr viel Kreativität erfordert und eine fast etwas subversive Neigung, sich mit anderen Optionen als den logisch möglichen zu befassen. Wir sind in unserer bildungsbürgerlichen Realität sehr verhaftet. Abgesehen davon, dass vielen Leuten einfach die Phantasie fehlt, mag auch eine gewisse Tendenz, sich möglichst einem Massengeschmack anzupassen, mit eine Rolle spielen, dass Steampunk noch kein Massenphänomen ist. Ganz ehrlich: ich finde Nischen interessanter als Massenhobbies. Es ist m.E. tatsächlich ein Vorteil des Steampunk, dass er nicht gleich aufläuft mit dem Kaninchenzüchterverein oder dem Kegelklub.

Du bevorzugst ja eher handfeste, bzw. Dark Fantasy und schnupperst ab und an in in andere Genres. Könntest du dir vorstellen zukünftig das Genre komplett zu wechseln?
Ich lese fast alles. Ich habe selbst auch ein Gruselbuch mit fiesen psychologischen Gruselgeschichten geschrieben. Es heißt “BISSE“ (Hockebooks.de)
Ich könnte mir auch mal einen Science Fiction Roman vorstellen. Oder, wenn ich mal viel Zeit habe, einen historischen. Alles machbar.

 Wird dein aktuelles Buch „Seelenspalter“ ein Einzelband bleiben oder könnte eine Reihe daraus werden? Gibt es schon Ideen oder konkrete Projekte nach Seelenspalter?
 Die Reihe heißt „Die Geheimnisse der Klingenwelt“.  Wie schon erwähnt, bin ich mit dem Band 2 schon fast fertig. Die Bücher werden allerdings nicht à la George Martin immer weitergehen, sondern jedes Buch ist eine abgeschlossene Geschichte in der gleichen Welt, in der es unterschiedliche Reiche gibt und unterschiedliche Epochen. Vielleicht sogar einen weiteren Kontinent, den ich noch nicht „gefunden“ habe.

Gibst du auch gerne Lesungen? Und wenn ja wo kann man dich in der nächsten Zeit antreffen?
Ich gebe sehr gerne Lesungen. Die nächste wird es am 10. März im Drachenwinkel (Dillingen, Saarland) geben. Ich habe während meines Studiums Studententheater gemacht, und ich gebe mir bei Lesungen sehr viel Mühe, die Handlung entsprechend stimmlich darzustellen, damit es nicht langweilig wird. Dabei weiß ich noch nicht, wie das mit der Online-Lesung wird – wenn man kein direktes Publikum hat. Eine direkte Ansprache von echten Menschen, die vor einem sitzen, ist einfacher.

Wie bist du auf die Idee gekommen Assassinen-Fantasy zu schreiben?
Ich hatte mal ein Lied über eine schöne, mordende Tänzerin geschrieben. So ein Lied ist kurz und kann nur eine Idee vermitteln, aber das Lied blieb mir im Gedächtnis, und die schöne, mordende Tänzerin wollte unbedingt ein wenig mehr Leben haben als nur vier Strophen. Die wollte einfach geschrieben werden.
Liebe Ju, danke für das ausgesprochen interessante Interview!

Ju Honisch: Romane und Rezensionen

Die Quellen der Malicorn (2013), Rezension bei Fantastische Bücherwelt
Das Obsidianherz (2008), Rezension bei Drei Groschen Poesie   
Salzträume Bd.1 (2009), Rezension bei Drei Groschen Poesie   
Salzträume Bd.2 (2009)   
Jenseits des Karussells (2010)  
Schwingen aus Stein (2013), Rezension bei Whisperleaf's Fantasy Blog
Seelenspalter (2017), Rezension bei Whisperleaf's Fantasy Blog

Und jede Menge Kurzgeschichten.


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Freitag, 3. Februar 2017

3 of a kind - I would like to learn

Die Aktion 3 of a kind von der lieben Sas von Sas.verse hat sich im Look und im Feel ein wenig geändert. Die Grundidee ist aber die selbe geblieben: Beschreibe drei Dinge, die zu dem vorgegebenen Thema passen. Neu ist, dass wir uns nicht mehr nur auf Medien beschränken müssen, sondern frei von der Leber weg, aus dem Leben gegriffen, was uns gerade in den Sinn kommt, beschreiben dürfen. Neu ist auch das coole Layout von Sas's Blog und damit sind auch die Aktions-Banner neu. Coole Nummer, Sas!

Aber was lenke ich ab? Hier geht's zu meinen drei Dingen, die ich unbedingt noch lernen möchte.

Bogenschießen

(Gefunden bei pixabay)

Ich habe es schon ein paar mal ausprobiert. Auf dem Mittelaltermarkt, bei einer Hochzeit oder bei Freunden, die eine Scheibe im Garten stehen hatten. Und es macht mir solchen megamäßigen Spaß! Dafür drängele ich sogar Kinder beiseite, da kenne ich nix! Dennoch schaffe ich es irgendwie nicht, mich bei einem Kurs anzumelden. Hauptproblem ist die Zeit, vieles davon geht für die Arbeit drauf. Und dann noch die Hobbies - Lesen, Bloggen, Tanzen. Was das an Zeit frisst! Ich weiß, ich weiß, jetzt kommt die "Zeit findet man doch immer"- Nummer, aber ich muss zu meiner Verteidigung noch sagen, dass ich das Gefühl habe, ich dafür noch nicht bereit. (Was für eine lahme Ausrede!)

Ein Buch schreiben

(Gefunden bei pixabay)

Mich haben schon als kleines Kind Bücher fasziniert. Nicht nur sie zu lesen, sondern sie zu sortieren, nummerieren, katalogisieren und auch zu schreiben. Ich habe als Kind schon einige "Bücher" geschrieben: Selbst als ich noch gar nicht schreiben konnte. Seitenweise Gekrickel und ab und zu eine Illustration. Diese Bücher habe ich meinem kleinen Bruder vorgelesen und meiner Mutter. Heutzutage weiß ich, meine Fantasie und meine Geduld reichen einfach nicht aus, um mir 600 Seiten lange Geschichten auszudenken und sie aufzuschreiben, inklusive aufwändiger Plots und geheimnisvoller Stimmungen. All diese Dinge so zu beschreiben, dass die Leser einen Weg in meine Fantasiewelt finden, und dabei bleiben, klappt ganz und gar nicht. Aber ausprobieren würde ich es trotzdem gerne.

Eishockey spielen

(Gefunden bei pixabay)

Eines sage ich schon mal vorne weg: Ich kann nicht Schlittschuh laufen. Ich bin eher ein Sommerkind und schwimme, wandere und tanze gern. Für Wintersport bin ich gar nicht zu haben. Aber dennoch würde ich sehr gerne Eishockey spielen können. Einfach wegen der Geräusche. Das Sirren der Kufen auf dem Eis, das Geräusch der aufeinanderprallenden Hockeyschläger. Und wenn der Puck ins Tor geht...  Ich bin eine relativ kleine und zierliche Person. Deshalb würde ich auch gerne mal wissen, wie es sich anfühlt, einen solch riesigen Anzug zu tragen.)




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