Gern gelesen

Sonntag, 23. August 2020

Sturm von Peeter Cavendish

 

Krass. Dieser Roman ist voll krass. Und wenn man überlegt, dass er biographische Züge hat, macht ihn das noch krasser. Das Leben des Protagonisten ist geprägt von Sex, Drugs und Rock’n’Roll, beziehungsweise der modernen Variante davon: Hauptsache der Kick kommt schnell und egal wie: mit Drogen, Alkohol, Sex oder Adrenalin über einen gut geplanten Geschäftsdeal. Hauptsache Kick. Und je mehr davon, desto besser. Dass dabei die Schönheit des Lebens, des sozialen Miteinanders auf der Strecke bleibt, geht im Rausch unter. Peeter lebt auf großem Fuß, hangelt sich von einem Kick zum anderen, feiert Orgien mit Kolleg:innen und schließt im Akkord Firmendeals erfolgreich ab. Er schwimmt auf der ganz großen Welle.

 Er ist der moderne Antiheld. Er tut mir leid.

"Alles fällt einmal auf dich zurück“ gibt ihm gegen Ende des Buches ein italienischer Cafébesitzer einen Rat. Und genau das muss der Protagonist auf die allerschwärzeste Weise am eigenen Leib erfahren – ausgelöst von Vivian, einer knallharten Businessfrau, die ihr böses Spiel mit ihm treibt. „Siehste!“ rufe ich mehrfach laut aus, während ich das Buch lese und hoffe, dass die Geschichte ein gutes Ende hat. Der Protagonist ist mir sympathisch. Er geht durch tiefste Tiefen und schafft, sich aufzurappeln, sich aus eigener Kraft wieder an die Oberfläche zu ziehen und ich fiebere mit ihm mit.

Der Inhalt der Geschichte ist rau, knallhart und sehr ehrlich. Emotional. Ich meine, welcher mit allen Wassern gewaschener Geschäftsmann kann in einem Roman in Tränen ausbrechen, ohne lächerlich zu wirken? Bei diesem funktioniert es. 

Der Roman liest sich wie der Befreiungsschlag einer gebeutelten Existenz. Ich merke beim Lesen, dass hinter der Geschichte säckeweise Lebenserfahrung stecken. Stilistisch sind hier viele Ecken und Kanten. Die drei Jahre Vakuum schreibt der Autor runter, als wenn er diese Stelle so schnell wie möglich hinter sich bringen will. „Erst passierte dies, und danach kam das, und dann wieder jenes.“ Ich hangele mich von „und“ zu „und“, und nehme die Worte dazwischen gar nicht mehr wahr.

Ich weiß nicht, ob dieses Stilmittel die beste Wahl war, aber ich werde zwischendurch belohnt von den fast schon expressionistisch beschriebenen Stürmen und Gewittern. Wunderschön!

Ein kurzes Wort zum Sex: Wenn du Beschreibungen von hartem Sex magst, bist du hier richtig und wenn du einen Sexroman erwartest, bist du hier vollkommen falsch. Hier geht es um viel mehr.

Sturm von Peeter Cavendish lässt einen Blick hinter die Kulissen der knallharten Geschäftswelt zu. Er ist auch ein kleines bisschen Liebesroman und ein bisschen Biographie. Für mich ist er ganz bestimmt emotional, mitreißend, nachdenklich stimmend. Für mich ist ein Buch gut, wenn es eine Weile nachklingt, nachdem ich es ausgelesen habe. Das ist bei Sturm von Peeter Cavendish definitiv der Fall.  

Empfehlenswert sind auch die Podcasts von Peeter Cavendish. Einfach bei den gängigen Plattformen nach Peeter Cavendish suchen.  

Ein kurzes Nachwort in eigener Sache. Dieses ist der erste Roman, den ich seit  Jahren durchgelesen habe und nicht frustriert nach einem Absatz weglegen musste, weil mich die Tagesmüdigkeit im Griff hatte. Ich freue mich riesig darüber und bedanke mich ganz herzlich beim Team der UKE Tagesklinik der Parkinsonambulanz. Mit der Medikamentenumstellung hat es mir ein großes Stück Lebensqualität wiedergegeben. 

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Montag, 10. August 2020

Peeter Cavendish - Podcast und sein Roman Sturm


Heute gibt es ausnahmsweise eine kurze Audiobewertung von mir. Viel Spaß beim anhören.



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Samstag, 15. Dezember 2018

Weniger und weniger....


... komme ich zum Lesen und rezensieren. Das ist euch sicherlich schon aufgefallen.

Das hat vielerlei Gründe. Zum einen bin ich beruflich und privat sehr stark eingespannt und das wird in Zukunft nicht weniger werden. Zum anderen überkommt mich gesundheitsbedingt, die so genannte Fatigue, also eine Tagesmüdigkeit, am allerliebsten beim Lesen. Was zur Folge hat, dass ich sofort einschlafe, wenn ich mehr als eine Zeile lese. Da kann das Buch noch so spannend sein, es lässt sich nicht abwenden.

Ich nehme also keine Rezensionsanfragen mehr an und falls es mit dem Lesen zwischendurch besser klappen sollte, hat mein SuB jede Menge Lesestoff im Angebot. Den Blog halte ich offen und werde sporadisch hier und da eine Rezension posten.

Ich bedanke mich bei euch und wünsche eine schöne Adventszeit mit Tee, Gebäck und Büchern.


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Sonntag, 7. Oktober 2018

Mercenary ( Die Carter Akten 1) von Felix A. Münter


Mercenary, Felix A. Münter 
(Coverbild: Papierverzierer Verlag)

Wow, was für ein Thriller! Er hat alles, was man von einem spannungsgeladenen Roman erwarten kann und noch einen Tick mehr. Plot, Stil und Duktus beeindruckten mich. Dieses Buch konnte ich nicht so leicht aus den Händen legen.

Carter hat einen gefährlichen Beruf. Er erledigt verlässlich und verdeckt unangenehme Jobs und stellt keine Fragen - für einen guten Preis. Er arbeitet am liebsten allein und nicht, wie üblich in einem Team. Wir Leser*innen dürfen ihn bei einem Auftrag in New York begleiten. Er lässt uns quasi bei seinem Job über die Schulter schauen und wir bekommen alles hautnah mit. Wir sind so dicht an ihm dran, dass wir schon fast seinen rasenden Puls spüren können, wenn er in eine Stresssituation gerät. Wir lernen seinen Berufsstand kennen, angefangen bei seiner Lebenseinstellung, seiner Rechtfertigung, warum er diesen Beruf ergriffen hat. Wir erfahren was genau mit ihm passiert, wenn er angeschossen wird. Was er durchmacht, wenn er sich von einer schweren Verletzung erholt. Seine Strategie für die Lösung brenzliger Situationen, aber auch für den Umgang mit seinem Auftraggeber. Die Action, Spannung und Entwicklung des eigentlichen Auftrags, kommt dabei nicht zu kurz.

Der Schreibstil ist wie der Protagonist selbst: Gerade heraus, pragmatisch, ohne Umschweife oder Gefühlsduselei. Das Zusammenspiel des Charakters der Hauptfigur mit Schreibstil und Plot ist stimmig und wirkt keinesfalls konstruiert oder an den Haaren herbeigezogen. Eine sehr interessante Herangehensweise an einen Thriller.

Wie ich schon eingangs schrieb: Das Buch ist ein page-turner, kein 0-8-15 Thriller und sehr zu empfehlen. Wenn sich die Serie in dem Stil fortsetzt, bleibt es spannend!



Das Buch erschien in dem kleinen Essener Verlag Papierverzierer und wurde mir als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.


Eckdaten: Band 1 der Serie Die Carter Akten, 164 Seiten

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Donnerstag, 13. September 2018

Gespräche auf einem absurden Planeten von Emil Horowitz



Gespräche auf einem absurden Planeten. Darauf muss man sich einlassen können. Mir fiel es nicht leicht und ich legte das Buch beiseite, um ihm eventuell später noch eine Chance zu geben. Ein kurzer Austausch mit dem Autor motivierte mich jedoch, es gleich nochmal zu versuchen.

Eigentlich müsste das Buch der Vollständigkeit halber „Absurde Gespräche auf einem absurden Planeten“ heißen. Denn dieses Sammelsurium an kurzen Dialogen, ist wie aus dem realen Leben gegriffen. Als hätte der Autor in der Kneipe, in der Bahn, im Park diese Gespräche aufgeschnappt und festgehalten. Sie sind so absurd, dass ich, wäre ich ein Alien, schreiend ans Ende der Galaxie rennen würde. Was sind das nur für seltsame Wesen, die auf dem Planeten Erde ihr Unwesen treiben. Sind wir denn wirklich so? Hohl? Diese Frage begleitet mich beim durchblättern des Buches

Der Prolog sagt eigentlich alles aus: Es wird pausenlos geredet, ohne etwas zu sagen. Da haben wir zum Beispiel die Handwerker, die beim zünftigen Bier den neuesten Actionstreifen aus Hollywood analysieren. Oder die beiden Autoren aus der Filmindustrie, die den ganzen Abend aneinander vorbeireden, ohne sich daran zu stören. Smalltalk, eben. Netzwerken und gesehen werden, egal was der Inhalt des Gesprächs ist. Wir haben auch die Götter des Olymp mit im Boot: Aphrodite und Eros, die ihr Spiel mit einem menschlichen Paar spielen. Hänsel und Gretel im Filmstudio. Mehr als „O mein Gott“ muss ich nicht dazu sagen.

Jeder Dialog wird vom Autor kurz eingeleitet. Sprachlich sind sie an die Personen, ihrem sozialen oder himmlischen Stand angepasst, manchmal sehr simpel und umgangssprachlich, manchmal eloquent und hyperintellektuell oder altertümlich, die Sprache der Götter. Die Geschichten könnten ohne Anpassungen als Kammertheaterstück aufgeführt werden. Eine Retrospektive der menschlichen Seele.

Das Büchlein hat was. Es ist auf jeden Fall interessant für Leute, die Sinn für kleine skurrile Geschichten haben und Dialoge lesen mögen.

Eckdaten: eBook, 175 Seiten, Verlag Neobooks
Emil Horowitz

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